Wochenendporträt

Ruth Bartels kümmerte sich um die Kriegsgräber in Breitenbach

+
Ruth Bartels

Bebra-Breitenbach. Vorbei an den ordentlichen Beeten, durch den Bogen mit der herbstlich braunen Clematis und das Törchen, raus aus dem Garten hinter ihrem Elternhaus, schon steht Ruth Bartels auf dem alten Friedhof von Breitenbach.

Die energiegeladene Frau mit den weißen Haaren geht zu den Gräbern in der Mitte der Wiese, wo die Opfer des Weltkriegs liegen.

Ruth Bartels hat bislang ihre letzte Ruhestätte gepflegt. Eine Auseinandersetzung mit der Stadt Bebra um eine Steinplatte hat dafür gesorgt, dass die 66-Jährige diese Aufgabe nun abgibt, für die sie zu Beginn nichts, in den vergangenen beiden Jahren 205,81 Euro von der Stadt erhalten hat.

Seitdem Breitenbach einen neuen Friedhof hat, wird der frühere, von alten Fachwerkhäusern umgebene Gottesacker, Grab für Grab abgeräumt. Die hölzerne Trauerhalle steht nicht mehr. Bis auf ein paar Grabstätten sind alle abgeräumt. Gras ist darüber gewachsen. „Es ist mir immer schwer gefallen, über die früheren Grabstellen zu laufen“, sagt Ruth Bartels, „das kam mir so merkwürdig vor.“

In ein paar Jahren bleibt nur noch das Ehrengrab für die Gefallenen. „Sie haben ewiges Ruherecht“, sagt Bartels. Seit 1999 hält sie die Gräber in Schuss. Damals waren sie von Unkraut überwuchert. „Die Erde war mit Giersch verseucht, damit hab ich wirklich viel Arbeit gehabt“, erzählt Ruth Bartels.

Grüner Daumen

Dass sie einen grünen Daumen hat, beweist Ruth Bartels Garten, der direkt an den alten Friedhof angrenzt. „Ich darf hier nur den Rasen mähen“, sagt ihr Mann Peter. Der Garten ist schon auf den Winter vorbereitet, der kleine Teich abgedeckt, die Pflanzen zurückgeschnitten. Selbst im tristen Herbstwetter ist zu erahnen, dass es hier im Sommer üppig blühen muss.

Die Gräber sind nach Jahren der Pflege durch Ruth Bartels von adretten Buchshecken eingerahmt. Die Pflanzen hat sie selbst gezogen. Stiefmütterchen und Heidepflanzen sorgen für ein bisschen Farbe inmitten brauner Erde, in der kein Unkraut mehr wächst.

Elf Menschen liegen hier begraben, darunter fünf Soldaten, die in den letzten Kriegstagen gefallen sind. Sie wollten eine Flakstellung an der Lüdersdorfer Straße gegen die anrückenden Alliierten halten. Auch Frauen aus dem Dorf kamen bei dem Kampf ums Leben und liegen hier begraben.

Ebenso Ruth Bartels Vater. August A. Rohrbach war in Kriegsgefangenschaft erkrankt und hat sich davon nicht mehr erholt. Er starb am 22. Juni 1946, steht auf dem kleinen Grabstein. Ruth Bartels hat ihren Vater nicht mehr kennengelernt. Sie kam einige Monate später auf die Welt. Mehr will sie dazu gar nicht sagen. Aber um das Grab ihres Vaters wird sie sich natürlich weiter kümmern.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

Kommentare