Rückkehr nach 80 Jahren

Der Jude Erich Oppenheim besuchte Nentershausen

Erich Oppenheim kam nicht allein nach Nentershausen: Unser Foto zeigt vor der Linde beim Rathaus von links Enkelin Abby Leipsner, Enkel Itzhak Oppenheim, Tochter Iris Ingber, Erich Oppenheim, Sohn Lee mit seiner Frau Janet, Bürgermeister Ralf Hilmes, Monica Kingreen, eine Bekannte der Familie und die Nentershäuser Karl-Heinz Berndt und Werner Stange. Im Vordergrund sind Nachson und Shimshon zu sehen. Die Urenkel von Erich Oppenheim halten den Augenblick im Bild fest. Die Gruppe fährt anschließend durch den Ort, zur Tannenburg und zum Judenfriedhof. Auch zu einem Gespräch mit einer früheren Nachbarin kommt es. Foto: Dupont

Nentershausen. Der 93-Jährige, der in Nentershausen zur Welt gekommen ist, konnte als 13-Jähriger mit seinem Bruder Manfred in die USA fliehen. Ein großer Teil seiner Familie wurde von den Nazis ermordet.

Sie lachen und sie weinen - für den Juden Erich Oppenheim und seine Familie ist die Rückkehr nach Nentershausen eine sehr bewegende Begegnung - und auch für die Nentershäuser, die daran teilnehmen.

Schon als Erich Oppenheim vor dem Nentershäuser Rathaus aussteigt, werden die Erinnerungen wach. Er zeigt auf die mächtige Linde. „Dort haben wir als Kinder Verstecken gespielt.“ Als die Besucher dann im Rathaus von Bürgermeister Ralf Hilmes und weiteren Nentershäusern empfangen werden, taucht der noch rüstige Rückkehrer ein in die Vergangenheit.

„In unserer Schule gab es im Sportbereich eine Dusche. Da durften wir alle regelmäßig duschen - auch am Abend vor dem Sabbat“, erzählt der 93-Jährige auf Englisch. In den Häusern gab es damals noch keine Duschen.

Im Winter sind die Kinder dann die Hänge mit Schlitten hinuntergefahren. „Einmal bin ich auch unter einem Pferdebauch durchgesaust“, berichtet der alte Herr und nicht nur seine Familie muss schmunzeln. Seine Eltern betrieben damals ein Geschäft, in dem es unter anderem Kleidung gab.

Als die Nazis an Einfluss gewannen, änderte sich für die Juden das Alltagsleben in Nentershausen dramatisch. Auch das Spielen mit anderen Kindern war nicht mehr möglich. „Als mein Bruder Manfred trotzdem mal mit Anderen spielen wollte, wurde er verprügelt“, berichtet Oppenheim, der 1982 schon einmal in Nentershausen zu Besuch war.

Im Januar 1935 feierte Erich Oppenheim als 13-Jährger das für ihn sehr wichtige Fest der Bar- Mizwa. Von da an war er religiös mündig. Zwei Tage später begleitete sein Vater ihn und seinen Bruder Manfred nach Bremerhaven. Von dort aus brachte ein Schiff die beiden Jungs in die USA in Sicherheit.

Mehr von Erich Oppenheims Rückkehr lesen sie in der Himmelfahrts Ausgabe der Rotenburg-Bebraer Allgemeinen.

Quelle: HNA

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