Rotwild muss im Herbst geschossen werden

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Friedlich in der Morgensonne: Das Rudel Damwild äst im Rotenburger Wildgehege. Die Tiere sind anpassungsfähig und werden, allerdings in einem verkleinerten Rudel im Gehege bleiben. Das Rotwild dagegen muss raus, die Tiere werden geschossen.

Rotenburg. Im kommenden Herbst endet die Lebenszeit für das Rotwild im Rotenburger Wildgehege. Neun Tiere gibt es dort noch - sie alle müssen geschossen werden. Das gehört zu einem Umgestaltungsprozess, der 2012 eingeläutet worden war.

Vor gut eineinhalb Jahren hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Wildgehege aus städtischer Hand zu geben. Schon damals wurde über den geplanten Abschuss heftig diskutiert.

Das Gelände wurde von Landwirt Lars Klöpfel gepachtet. Der hat dort inzwischen auch einen Streichelzoo eingerichtet.

Das Gehege ist jedoch nicht leer. Zwar gibt es keine Wildschweine mehr dort, doch noch immer tummeln sich Dam- und Rotwild auf dem rund sieben Hektar großen Areal, das Anfang der 1970er-Jahre als Wildgehege eingerichtet worden war.

Das Rotwild wird im Herbst geschossen. Die scheuen Tiere vertragen sich nicht mit den inzwischen dort lebenden Haustieren. Rotwild erlebt das als ständigen Druck und versucht, anderen Tieren auszuweichen, erklärte Jäger Stephan Heckeroth.

Das Wildgehege liegt in seinem Revier, gilt aber als befriedeter Bezirk. Das heißt, die Tiere dort unterliegen nicht dem Jagdrecht. Das Damwild darf auch bleiben, muss allerdings drastisch verringert werden. Damwild verträgt sich gut mit anderen Tieren, frei lebende Tiere stellen sich zum Beispiel auch zu Schafen auf Weiden und fressen mit ihnen.

Das Wild im Gehege wird nach der Tierschlachtverordnung getötet. Das heißt unter anderem, sie werden zwar geschossen, müssen dann aber gleich durch einen Schnitt zum Ausbluten gebracht werden - das ist anders als bei der normalen Jagd, erläutert Heckeroth.

Leicht hat er es allerdings nicht, die Tiere vor die Flinte zu bekommen: Sie wissen inzwischen, wo sie sicher sind - in der Mitte des Geheges nämlich. Die Hanglage bietet nämlich keinen Kugelfang für das eventuell austretende Geschoss. Das Wild kennt inzwischen sogar schon das Geräusch von Heckeroths Auto und flüchtet entsprechend, erzählt der Jäger schmunzelnd.

Heckeroth betreibt die Jagd aus Überzeugung und sehr nüchtern: „Wir produzieren gesunde Lebensmittel von Tieren, die ohne Stress sterben." Wer sich über die Jagd aufregt, aber zum Schnitzel aus dem Supermarkt greift, das aus Massentierhaltung und Massenschlachtungen stammt - der betreibt nach Heckeroths Einschätzung Doppelmoral.

Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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