Sportart geht auf Fantasyfilm zurück

Rotenburgs „Ahle Säcke“ sind die achtbesten der Welt im Juggern

Achtplatzierter der Weltrangliste: Die Rotenburger Juggermannschaft „Ahle Säcke“. Der Name führt in die Irre, weil inzwischen viele Jüngere nachgerückt sind. Und auch die Spieler der Jugendmannschaften dürfen am Training teilnehmen. Fotos: Meyer

Rotenburg. Auf Platz acht der Weltrangliste im Juggern steht eine Mannschaft aus Rotenburg an der Fulda mit einem vermeintlich harmlosen, aber offenbar erfolgversprechenden Namen: „Ahle Säcke".

„Schädelschwenker“, „Sturmwölfe“, „Drachenblut“: So heißen die Mannschaften, auf den Spitzenrängen der Jugger-Weltrangliste. Die Ahlen Säcke werden umrahmt von den „Living Undeads“ (Lebende Untote) aus Hannover und einer spanischen Mannschaft namens „Verracos“ (die Eber).

Die Sportart Jugger ging aus einem Fantasyfilm hervor und mutet martialisch an: Ein nachgebildeter Hundeschädel dient als Spielball, Spieler sind mit Schaumstoff-gepolsterten Waffen ausgestattet und tragen im Wettkampf gern mal Kriegsbemalung. 472 Mannschaften bilden die Weltrangliste, die allermeisten aus Deutschland, viele aus Spanien, einige aus Irland, Schweden und den USA.

In Rotenburg etablierte sich der Sport in Zusammenhang mit einem Projekt von Stadt, Schule und Kirche, das Gewalt unter Jugendlichen vorbeugen sollte. Das Juggern machte nicht nur den Kindern, sondern auch Betreuern und Eltern so viel Freude, dass die eine eigene Mannschaft gründeten. Die alten Säcke eben. Der Name führt heute in die Irre. Ältere sind ausgeschieden, und die ehemaligen Jugendspieler sind jetzt im Erwachsenenteam, sodass mancher Ahle Sack erst 18 Jahre alt ist.

Fairness und Verantwortung

Stadtjugendpfleger Markus Paul gehört zu denen, die erst Kinder anleiteten und sich dabei selbst für das Juggern begeisterten: für eine Sportart, die viel Geschick erfordert und taktisches Verständnis und sich von den etablierten Vereinssportarten stark unterscheidet. Während sich das Spiel einerseits an Gladiatoren- oder Ritterkämpfe anlehnt, fordert es von den Akteuren andererseits ein besonders hohes Maß an Fairness und Verantwortung für sich und den Gegner - das gehört zur Grundidee.

Dass das mit dem von einer Weltrangliste entfachten Ehrgeiz kollidiert, haben die Rotenburger auf einem Turnier in Villingen erlebt. Die spanischen Mannschaften sahen alles, was der Schiedsrichter nicht sah, als erlaubt an. Das führte zu einer Aussprache mit der Turnierleitung. Für die Rotenburger bieten die Turniere - in Jena, Berlin, Darmstadt und Hagen waren sie unter anderem - nicht nur die Gelegenheit, sich zu messen, sondern auch, andere Spieler kennenzulernen, zusammen zu grillen und zu feiern.

Trotzdem ist da auch Ehrgeiz. Einmal wöchentlich treffen sich Lasse, Magnus, Simon, Gregor und die anderen Spieler zum Training, schwingen ihre Sportgeräte, die sogenannten Pompfen. Zehn Turniere haben sie schon gespielt, und das nächste findet an diesem Wochenende in Berlin statt. Über 20 Mannschaften haben sich angemeldet. Die Ahlen Säcke haben sich das Ziel gesteckt, unter die ersten zehn zu kommen.

Quelle: HNA

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