Rotenburger Freundeskreis will neue Gruppe für junge Leute gründen

Freundeskreis: Thomas Claus und Udo Wittich (hinten von links) wollen die neue Gruppe für jüngere Menschen leiten. Vorn die beiden Vorsitzenden des Vereins, Ursula Heun, rechts, und Christina Rohde. Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Das Durchschnittsalter der Mitglieder des Rotenburger Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe liegt bei 65 Jahren. Doch unter Süchten leiden zunehmend jüngere Menschen. Dem will der Freundeskreis nun mit einer neuen Gruppe Rechnung tragen.

Der Name des Vereins hat sich zum Programm entwickelt: Der Freundeskreis Rotenburg für Suchtkrankenhilfe besteht seit 35 Jahren, und einige Mitglieder sind schon seit Jahrzehnten dabei - einfach, weil sie hier Freunde gefunden haben. Das soll auch so bleiben. Das neue Angebot, das sich auch an Angehörige von Suchtkranken richtet, ist als Ergänzung gedacht.

„Wir wollen auch jüngere Menschen ansprechen und ihnen unsere Hilfe anbieten“, sagt Udo Wittch, der gemeinsam mit Thomas Claus die neue Gruppe leiten will. Dass junge Leute ihre Probleme lieber mit Menschen besprechen, die ihnen vom Alter her näher stehen, hat Wittich schon in Vorgesprächen gemerkt. „Jungen Leuten sind auch ganz andere Themen wichtig.“

Kontakt: Thomas Claus, Telefon 0152/58 72 520, Udo Wittich, Telefon 0170/67 91 522 www.facebook.com/groups/Freundeskreisrof/

Ursula Heun, Vorsitzende des Rotenburger Freundeskreis, hat bei ihren regelmäßigen Besuchen in Suchtkliniken festgestellt, dass die Betroffenen immer jünger werden. „Es gibt ganz viele zwischen 18 und 25 Jahren“, sagt sie. Und Wittich ergänzt: „Sie haben auch in der Regel mehr als eine Sucht.“ Neben Alkohol spielten auch Drogen wie Crystal Meth und Marihuana sowie Spielsucht eine Rolle.

Er beklagt, dass es zu wenige Einrichtungen gibt, in denen Sucht nicht gefördert wird: Wer zum Beispiel gern Billard spielt, muss das in einer Kneipe oder in einer Spielhalle tun - beides heikle Terrains für Suchtgefährdete.

Ursula Heun sieht das allerdings ein wenig anders. Suchtkranke gehören ihrer Ansicht nach nicht unter eine „Käseglocke“, also in einen geschützten Raum. Sie müssen vielmehr lernen, mit ihrer Sucht unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen umzugehen. Genau dabei will der Freundeskreis helfen.

Wichtig ist den Teilnehmern absolute Ehrlichkeit - anderen und sich selbst gegenüber. „Wer zu uns kommt, hat sich in der Regel zuvor jahrelang selbst belogen. Das reicht. Das Leben soll sich ja ändern.“, sagt Ursula Heun. Wichtig ist auch, dass alles, was in der Runde besprochen wird, vertraulich ist - „es bleibt im Raum.“ Auf Wunsch gibt es auch Gespräche in Kleingruppen oder nur mit einem einzelnen Teilnehmer. Manche Freundeskreis-Besucher wollen sich zunächst nicht allen öffnen.

Die Mitglieder kennen das aus eigener Erfahrung: Es kostet Mut und Überwindung, zum ersten Treffen zu gehen. Aber das Wiederkommen wird leicht gemacht. Treffen sind immer montags, von 19 bis 21 Uhr im Gruppenraum der Martin-Luther-Kirche in Rotenburg (Hochmahle).

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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