Rotenburger Erstaufnahme: Kriminalität steigt moderat

Die Neue: Beim Bürgerforum im Bürgersaal am Bahnhof hat sich vor rund 70 Besuchern Carolin Richardt vorgestellt, die seit 1. Dezember bei der Stadt Rotenburg die Flüchtlings- und Gemeinwesenarbeit koordiniert – so ihr offizieller Titel. Foto: Janz

Rotenburg. Die Koordinatorin für die Arbeit mit Flüchtlingen in Rotenburg, Carolin Richardt, hat sich bei einer Bürgerinfo vorgestellt. Alles Wichtige lesen Sie im Schnellcheck.

Der Leiter der Erstaufnahme, Thomas Baader, lobte ihre Anstellung als richtige Entscheidung.

Mehr Ladendiebstähle

Seitdem die Erstaufnahme in der Alheimer-Kaserne vor vier Monaten ihren Dienst aufgenommen hat, nimmt die Kriminalität in der Stadt zu: „Wir haben eine Steigerung, aber sie ist so moderat, dass wir selbst mehr als angenehm überrascht sind“, sagt der Leiter der Polizeistation Rotenburg, Peter Lang. Das negative Bild, das es von anderen Erstaufnahmen gebe, habe sich nicht bewahrheitet. Insgesamt gebe es relativ wenige Probleme, bestätigt Stadtverordnetenvorsteher Klaus Troch. Ladendiebstähle und andere Delikte dürfe man aber nicht verschweigen: „Da müssen wir Flagge zeigen.“

Die Kaserne ist voll

Derzeit leben 792 Menschen in der Kaserne, die damit ausgelastet ist, sagt Einrichtungsleiter Baader. Zwei weitere Gebäude mit Platz für je 194 Menschen sollen bis Ende März in Betrieb genommen werden. Dann werden mehr als die geplanten maximal 900 Flüchtlinge in der Kaserne sein. Nur einzelne albanische Asylbewerber sind bereits seit vier Monaten in Rotenburg. Über 80 Prozent der Flüchtlinge bleiben höchstens zwei Monate, sagt Baader: „Wir haben einen hohen Durchlauf.“

Schlechte Ausstattung

Dass Baader die Erstaufnahme noch immer nur kommissarisch leitet, kritisiert Bürgermeister Christian Grunwald. Die personelle Ausstattung auch mit Verwaltungsangestellten und die Kommunikation des Regierungspräsidiums Gießen als Aufsichtsbehörde seien ungenügend: „Wir könnten die Einrichtung viel schneller und besser in der Stadt verankern, wenn endlich klare Verhältnisse geschaffen werden.

Geld vom Land

Das Land hat über 300.000 Euro für die Gemeinwesenarbeit in Rotenburg zur Verfügung gestellt. Das Geld dient dazu, drei Jahre lang die hauptamtlichen Stellen von Carolin Richardt und eines Ehrenamtskoordinators bei der Diakonie zu finanzieren. Außerdem werden drei ehrenamtliche Projekte gefördert: Verkehrssicherheitstraining der Kreisverkehrswacht, eine Mitmachküche im Kreisjugendhof und Sprachunterricht vom Verein Gemeinsam in Rotenburg (GiR).

Beliebter Sprachunterricht

Seit Oktober bieten zwei Dutzend ehemalige Lehrer Deutschkurse für die Flüchtlinge an. Nachdem der Unterricht in der Kaserne stattfinden kann, ist das Interesse noch einmal gestiegen, sagt Roland Jost, der das Angebot für GiR koordiniert. Weit über 70 Flüchtlinge nehmen an den Kursen teil, wobei das Angebot mit weiteren Lehrern noch ausgeweitet werden könnte, sagt Jost. Bis Mitte Dezember läuft die erste Unterrichtsrunde, dann wird ausgewertet, was verbessert werden kann. Mitte Januar soll es weitergehen.

Kontakt: Roland Jost, Telefon 0 66 23 / 25 57

Quelle: HNA

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