Weil Parkplätze fehlen: Aus für Rotenburger Biergarten

+
Bleibt geschlossen: Hollenbachs Biergarten an der Poststraße in Rotenburg. Jörg Hollenbach und Yvonne Nowak-Hanschke sind traurig darüber, dass die Stadt keine Ausnahmeregelung mehr duldet für die geforderten Parkplätze für die Autos der Gäste.

Rotenburg. Es erinnert an einen Schildbürgerstreich: Wer in Hollenbachs Biergarten an der Poststraße einkehren möchte, steht vor verschlossener Tür.  Das traditionsreiche Gartenlokal am Bahnhof darf nicht mehr öffnen, weil Parkplätze für die Autos der Gäste fehlen.

Auf der Internet-Seite der beliebten Wirtschaft steht lediglich „Bis auf Weiteres geschlossen.“Einer der wohl schönsten Biergärten in der Region steht vor dem Aus.

Zwar gibt es rundherum genügend Stellplätze, aber Jörg Hollenbach und Yvonne Nowak-Hanschke, die den Biergarten als Gastronomin führen sollte, können nicht so über diese Parkplätze verfügen, wie es die Stadt Rotenburg fordert.

Der Verwaltung reicht es nicht mehr aus, dass Nachbarn wie die Sparkasse ihre Parkplatz-Schranke abends oben und die Lokalbesucher parken lassen. Auch die Verträge, die Hollenbach bisher mit weiteren Nachbarn geschlossen hatte, die in den Sommermonaten ihre Parkplätze für Gäste des Biergartens zur Verfügung stellten, genügen dem Rathaus nicht mehr.

Weil im Hinblick auf die Stellplatzsatzung der Stadt die Rechtssicherheit gewährleistet werden müsse, fordert die Stadt für die erforderlichen Parkplätze den Eintrag ins Baulastenverzeichnis. Das würden aber seine Nachbarn ablehnen, klagt Hollenbach.

Ablösung kostet 50.000 Euro

Eine Ablösung der geforderten 39 Parkplätze würde rund 50.000 Euro kosten. Soviel Geld an die Stadtkasse zu überweisen, will Hollenbach nicht riskieren. Läuft die Gartenwirtschaft nicht und muss wieder schließen, wäre das Geld nämlich für ihn verloren.

Das Beharren der Stadt auf die Sicherung der Parkplätze, um nicht angreifbar zu werden, mache ihn sehr traurig, sagt Hollenbach. Er habe viel Arbeit und Geld in den Biergarten investiert, der nach langer Pause 2010 wieder eröffnet worden war. Im Jahr 1993 musste das von Fleischermeister Hans-Jürgen Hollenbach (Spitzname: „Scholle“) gegründete Gartenlokal geschlossen werden, weil ein Nachbar vor Gericht erfolgreich wegen der Lärmbelästigung geklagt hatte.

Keine Probleme mit den Nachbarn

Der Beschwerdeführer von damals ist längst weggezogen. Mit den Nachbarn gebe es heute keine Probleme mehr, sagt Jörg Hollenbach. Auch im vergangenen Winter, als die zusätzlich neu im Garten aufgebaute „Urweisse-Hüttn“ bewirtschaftet wurde, habe es keine Beschwerden gegeben.

Weil der Biergarten nicht öffnen darf, mussten Hollenbach und Yvonne Nowak-Hanschke bereits Verträge mit Reiseveranstaltern rückgängig machen. Das „zünftige Wochenende“ mit bayerischem Abend im Biergarten, Übernachtung im Posthotel, Floßfahrt und Stadtführung zu 98 Euro können die beiden nicht mehr bieten. „Wir sehen keine Perspektive mehr“, sagt Jörg Hollenbach. (ach)

Das sagt der Bürgermeister

Auch Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) hält Hollenbachs Biergarten für äußerst attraktiv. „Deshalb haben wir versucht, eine Brücke zu bauen“, sagt der Verwaltungschef. Man sei den Gastronomen mit einer Änderung der Stellplatzsatzung entgegen gekommen, statt zuvor 78 seien jetzt nur noch 39 Parkplätze für den Biergarten gefordert. Auf einen Grundbucheintrag zur Sicherung werde verzichtet, es reiche der Eintrag ins Baulastenverzeichnis. Ausnahmeregelungen wie früher seien nicht mehr möglich, stellt Grunwald klar. Alle Gastronomen, Gewerbetreibenden, Einzelhändler und Bürger müssten bei den Stellplätzen auf die Gleichbehandlung vertrauen können. (ach)

Quelle: HNA

Kommentare