Turnier in der Erstaufnahmeeinrichtung wurde zum internationalen Fußballfest

Erst gemäht, dann gekickt: Wenn Fußball in Rotenburg Nationen verbindet

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Internationale Truppe: Aus mehreren Nationen setzte sich diese Mannschaft der Erstaufnahmeeinrichtung zusammen.

Rotenburg. Integration durch Sport – unter diesem Motto bestritten Mannschaften der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und der Fußballvereine Rotenburgs und Lispenhausens am Wochenende ein Turnier.

Der 23-jährige Ghergisch Ghilay und seine Bekannten aus der Erstaufnahme-Einrichtung sind verblüfft, als ihnen jemand verrät, dass der Schiedsrichter des gerade auf dem Rasen ausgetragenen Fußballspiels kein geringerer als der Rotenburger Bürgermeister ist. Viele Leute aus der Umgebung sind heute gekommen, um sie, die Flüchtlinge, kennenzulernen, Fußball zu spielen, den Tag mit ihnen zu verbringen – so auch Bürgermeister Christian Grunwald. 

Am Spielfeldrand verrät Ghilay, dass er einem Schlepper 3500 Euro für die Flucht aus Eritrea bezahlen musste – 1500 für die Wüstendurchquerung, 2000 für die Fahrt übers Mittelmeer auf einem kleinen Boot mit 600 Menschen. Aber darum geht es heute nicht. 

Fairer Wettkampf

Mannschaft eins der Flüchtlinge gegen Rotenburg / Lispenhausen zwei: Die Stimmung ist gut an diesem Sommertag, und zehn Mannschaften mit Spielern von hier und aus aller Herren Länder liefern sich einen fairen Wettkampf. Der Fußballplatz auf dem Kasernengelände eignet sich ideal für das internationale Turnier. Die guten Bedingungen am Standort Rotenburg mit sanierten Wohnungen und Sportstätten seien ein Grund dafür, dass es in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung vergleichsweise wenig Spannungen gebe, sagt Einrichtungsleiter Thomas Baader. Bei der Herrichtung des Fußballplatzes haben die Flüchtlinge mitgeholfen und zum Beispiel die Laufbahn rundherum vom kniehohen Bewuchs befreit. Der Bürgermeister ist nicht der einzige, der sich zu diesem Anlass ohne viel Aufhebens engagiert. 

Das Rote Kreuz hat Suppe gekocht, die Kreisverkehrswacht ist mit von der Partie. Stefan Schiller von der Polizei, der das Fußballturnier mit angeregt hat, hat den Turnierplan gemacht. Sportler vom SC Lispenhausen und der SV Rotenburg haben Tore gebracht und die Spielfelder markiert. Am Nachmittag werden Fahrrad-Akrobat Wolfgang Wenzel und Sängerin Marisa Linß aus Wildeck auftreten, und Ex-Bundesliga-Trainer Dragoslav Stepanovic, der an diesem Tag in Bad Hersfeld zu Gast war, wird die Preise verleihen und Autogramme geben. 

Turnier wird wiederholt

Am Ende hat Mannschaft eins die Nase vorn, ungeschlagen und ohne Gegentor. Bei den Jugendlichen belegt die zweite Mannschaft der SV Lispenhausen/Rotenburg den ersten Platz, und alle Beteiligten sind sich sicher, dass sie das Fußballturnier wiederholen wollen. Weitere Vereine aus der Region wollen die Organisatoren dann zum Mitmachen animieren und in der Rotenburger Bevölkerung für den Besuch des besonderen Fußballfests auf dem Kasernengelände werben.

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