Kreiskrankenhaus übertrug Live-Operration

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Videoübertragung: ein Blick in den Unterbauch des live operierten Patienten. Gelblich schimmert das Fettgewebe. Während der Übertragung erläutert Personalleiterin Karla Krause-Heid, wie in Zeiten des Ärztemangels Mediziner für unsere Region gewonnen werden können. 

Rotenburg. Erstmals ist im Kreiskrankenhaus eine Live-OP vor Publikum übertragen worden. Als Chefarzt Dr. Martin Oechsner einem 40 Jahre alten Fernfahrer mithilfe einer Schlüsselloch-OP einen Teil des Dickdarms entfernte, verfolgten dies über 30 Zuschauer, darunter zahlreiche niedergelassene Ärzte.

Oechsner hatte zuvor erläutert, dass bei den entzündlichen Darmerkrankungen im Falle einer OP bei bis zu 80 Prozent der Patienten per Schlüsselloch-OP Teile des Darms entfernt würden. Handelt es sich um einen Darmtumor, so werden größere eher konventionell offen operiert.

Den Zuschauern im Hörsaal des KKH boten sich beeindruckende Bilder, die auch manchem älteren Arzt neu waren. Für den Laien erstaunlich war, dass nur wenig Blut floss, das sogleich abgespült und -gesaugt wurde. Die Bauchdecke schimmerte graubläulich mit vielen feinen Äderchen durchzogen.

Über zwei Zugänge arbeitete der Chirurg mit einer kleinen Zange zum Greifen und einem winzigen Schneidewerkzeug. Dr. Oechsner trennte ein 40 Zentimeter langes Teil des verschlungenen Dickdarms ab, verschloss die Enden mit einem Klammernahtgerät und zog es durch einen kleinen dritten Zugang am Bauchnabel heraus.

Der verbliebene Darm mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimetern wurde in den Bauch zurückverlagert, „zusammengetackert“ und zur Kontrolle der Dichtigkeit mit Wasser umgeben.

Während der OP erläuterte unter anderem der Ärztliche Direktor, Dr. Reiner Sitzler, das Geschehen und das „Fast-Track-Konzept“, mit dem sich die Patienten möglichst schnell erholen sollen. Abführmaßnahmen über mehrere Tage hinweg seien heute nicht mehr notwendig, so Sitzler. Der Anästhesist erklärte, neben einer Vollnarkose werde eine rückenmarksnahe Regionalanästhesie (PDA) eingesetzt, oft auch Rückenmarksnarkose genannt.

Schon am ersten Tag sollte der Patient wieder auf der Bettkante sitzen und essen, so das Ziel. Eine Nacht bleibt er zur Kontrolle auf der Intensivstation, nach fünf bis sieben Tagen könne er nach einer Diätberatung auch wieder Vollkost essen und nach Hause entlassen werden.

Neben der Darmchirurgie sind Operationen von Leisten-, Bauchdecken- oder Nabelbrüchen ein weiterer Schwerpunkt im Kreiskrankenhaus Rotenburg.

Derzeit befindet man sich nach den Worten des Chefarztes der Chirurgie, Dr. Martin Oechsner, auf dem Weg hin zum zertifizierten Hernienzentrum. 270 solcher Operationen wurden im vergangenen Jahr vorgenommen - mit steigender Tendenz. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zu 2011 laut Oechsner verdoppelt. Noch in diesem Jahr rechnet man am KKH mit der Zertifizierung. Dazu nimmt das KKH an einer Studie der Deutschen Herniengesellschaft teil. Koordinator des künftigen Hernien-Zentrums wird der Chirurg Dr. Urs Schöffel. (ank)

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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