Stadt Rotenburg zahlt ab Sommer nicht mehr – Schutzschirm-Regelung greift

Bitteres Ende für den Hort

+
Sie kümmern sich um die Hortkinder: Pfarrer Michael Dorfschäfer und die Erzieherinnen Cornelia Holstein und Melanie Hintzmann. Die berufliche Zukunft der Frauen ist nach Angaben von Pfarrer Dorfschäfer und Dekanin Gisela Strohriegl noch offen.

Rotenburg. Der integrative Kinderhort St. Georg in Rotenburg ist eine Einrichtung, die eher im Verborgenen wirkt. „Wir geben den Kindern einen geschützten Raum, in dem sie Gemeinschaft erfahren und feste Strukturen erleben können“, sagt Pfarrer Michael Dorfschäfer. Jetzt soll der Hort geschlossen werden.

Die evangelische Kirchengemeinde ist Träger des Hortes, der 1999 eher provisorisch eröffnet wurde, einfach weil der Bedarf an Kinderbetreuung auch in der Zeit nach der Schule bestand. „Wir betreuen bevorzugt Kinder von Alleinerziehenden oder von Familien, die aus beruflichen oder familiären Gründen Entlastung benötigen“, erklärt Pfarrer Dorfschäfer.

Seit 2002 dient der Hort offiziell als integrative Einrichtung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der vier Kinder zuweist, die Erziehungshilfe benötigen.

In Rotenburg wurde in Zusammenhang mit der Schutzschirm-Regelung festgelegt, diese, als freiwillige Leistung deklarierte, Hort-Finanzierung von jährlich 68.000 Euro zu streichen. Die Entscheidung hatte die Stadtverordnetenversammlung getroffen, nachdem ein Arbeitskreis aus Fraktionsvorsitzenden und Fachbereichsleitern der Stadtverwaltung eine Spar-Liste vorgelegt hatte. Zu Einsparungen wurde die Stadt gezwungen, um unter den Schutzschirm des Landes gehen zu können. Damit soll die enorme Verschuldung Rotenburgs gestoppt werden.

Beim Kreis, der sich an Sach- und Personalkosten beteiligt, wird man demnächst über die zukünftige Betreuung der Kinder beraten, die die integrativen Plätze belegen, erklärte Pressesprecher Michael Adam.

Im Hort werden die Jungen und Mädchen werktags von 11 bis 17 Uhr betreut - auch in den Ferien. Sie essen gemeinsam zu Mittag, erledigen in einem Arbeitsraum unter Betreuung ihre Hausaufgaben und werden auch anschließend beim Spielen betreut.

Dekanin Gisela Strohriegl ist von der qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung überzeugt: „Im Hort erleben die Kinder Geborgenheit und können sich entfalten. In größeren Gruppen würden die integrativen Kinder untergehen“, meint sie. Dass das über Jahre bewährte System nun beendet werden muss, nennt die Dekanin „sehr, sehr bitter“. Die Kirche selbst habe allerdings auch kein Geld, die Einrichtung aufrechtzuererhalten.

Große Enttäuschung und ein Gefühl der Hilflosigkeit hat Pfarrer Michael Dorfschäfer bei den betroffenen Eltern und im Kirchenvorstand registrieren müssen. Ein Lösung des Problems scheint es nicht zu geben.

Was Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald zum Thema sagt, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der Rotenburg-Bebraer-Allgemeinen.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

Kommentare