Nach zehneinhalbjähriger Dienstzeit wird Pfarrer Dr. Alois Hilbert morgen verabschiedet

Von Rom bis Rotenburg

Abschied mit ein bisschen Wehmut: „Es war wohl meine schönste Dienstzeit“, sagt Rotenburgs katholischer Seelsorger Dr. Alois Hilbert. Foto: Apel

Rotenburg. Die Kisten sind gepackt, der Umzugstermin ist schneller näher gerückt als gedacht. Morgen um 15 Uhr heißt es für Rotenburgs katholischen Seelsorger Dr. Alois Hilbert Abschied nehmen von der Stadt, von der Pfarrkirche und von der Gemeinde, die ihm seit 2001 Heimat war.

„Es war wohl meine schönste Dienstzeit“, erzählt er ein bisschen wehmütig. Mag sein, dass seine Einschätzung damit zusammenhängt, dass er genau genommen seit 1953 in der Fuldastadt zu Hause ist. Nach der Vertreibung hatte es seine Familie nach Schwarzenhasel verschlagen, und als er als Elfjähriger das Jakob-Grimm-Gymnasium besuchte, musste er jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Das war gerade im Winter ziemlich beschwerlich. Von daher war er froh, als er ein Internat besuchen und 1962 dort auch die Reifeprüfung ablegen konnte.

Vatikanisch geprägt

Er war ein ganz guter Schüler - nicht nur in Latein, Griechisch und Englisch, auch in Mathematik. Es lag deshalb nicht unbedingt nahe, in Fulda an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Philosophie zu studieren. Aber es sollte der Beginn eines Weges werden, der den jungen Alois schon am 5. Oktober 1962 nach Rom führte. Auf Vorschlag des Fuldaer Regens durfte er an der Gregoriana studieren – zu einer Zeit, als in Rom gerade das 2. Vatikanische Konzil begann.

Mit leuchtenden, wachen Augen erzählt er von Begegnungen mit Julius Kardinal Döpfner, Karl Rahner, dem späteren Kardinal Lehmann, dem heutigen Papst – von lehrreichen, prägenden, schönen Jahren, die sein Interesse an Kirchengeschichte, Italien und Rom geweckt haben. Aber er sagt auch: „Wenn man zehn Jahre in Rom gelebt hat, hat man gerade einmal an der Stadt und ihrer Geschichte genippt!“

Alle Examina legte er in lateinischer Sprache ab. Sie verband damals - und verbindet noch heute - die aus aller Welt nach Rom kommenden Studenten und Bischöfe, und deshalb verwundert es nicht, dass sich der bald 70-Jährige, der heute noch fließend Latein spricht, gewünscht hätte, dass Latein überall gesprochene Weltsprache geworden wäre.

Ökumenisch bewegt

Promoviert hat Hilbert über die Bibelauslegung der evangelischen Theologen Wolfgang Pannenberg und Jürgen Moltmann.

„Wahrscheinlich war ich schon immer ökumenisch bewegt!“, erzählt er, ein bisschen sicherlich auch mit Blick auf seine Rotenburger Jahre, wo er sich von Anfang an gut an- und aufgenommen gefühlt hat.

Als Höhepunkte seines „Unterwegs-Seins“ bezeichnet er zwei Pilgerreisen nach Rom und Assisi und die Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Weihejubiläums der Pfarrkirche: „Das hat zu Aufbruchstimmung geführt und unsere Freude am Christ- und Gemeindesein beflügelt!“

Etwa 60-mal pro Jahr dürfte Pfarrer Dr. Hilbert in ihr gepredigt haben. Manchmal ein bisschen zu philosophisch, wie er selbstkritisch einräumt, aber bei vielen Lebenswenden und besonders gern bei Trauungen doch so, „dass ich das Gefühl hatte, dass die mir anvertrauten Menschen dankbar dafür sind, dass da einer steht, der von Gott her spricht.“

Sein Credo: „Es macht keinen Sinn, dem Zeitgeist hinterherzuhecheln. Die Kirche sollte von Jesus, seiner Botschaft und seiner Liebe zu den Menschen sprechen - und ein ehrliches Gespräch mit den Menschen unserer Zeit führen!“ ZUR PERSON

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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