Ronshausen will raus aus den Schulden

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Gut besucht: Trotz des herrlichen Sommerwetters nutzten über 80 Ronshäuser am Mittwochabend die Gelegenheit, sich während der Bürgerversammlung im Haus des Gastes über die Finanzen ihrer Gemeinde und die geplanten Konsolidierungsmöglichkeiten für den Haushalt zu informieren. Dafür sorgten fachkundig – von links – Bürgermeister Markus Becker, Kämmerer Thomas Aschenbrenner und Parlamentsvorsteher Ernst Richardt, die im Anschluss Anregungen entgegennahmen und Fragen beantworteten.

Ronshausen. Wenn jeder der zurzeit 2377 Ronshäuser seiner Gemeinde 4482 Euro überweisen würde, wäre das Problem Verschuldung gelöst.

Doch da das bestenfalls ein Wunschtraum von Bürgermeister Markus Becker und Kämmerer Thomas Aschenbrenner ist, müssen sich die Ronshäuser angesichts ihres Schuldenberges von zum Jahresende voraussichtlich 10,7 Millionen Euro dringend etwas anderes überlegen.

Damit dies nicht nur erklärter politischer Wille bleibt, sondern auf breiter Basis der Einwohnerschaft geschieht, hatte die Gemeinde zu einer Bürgerversammlung am Mittwochabend ins Haus des Gastes eingeladen. Die Ronshäuser planen - entschieden wird dies endgültig erst vom Gemeindeparlament am Jahresende - unter den Schutzschirm des Landes Hessen zu schlüpfen. Mit einem Schlag könnte die hoch verschuldete Kommune so zum 1. Januar 2013 über 3,3 Millionen Euro ihrer Finanzsorgen loswerden, rechnete Bürgermeister Becker den über 80 Besuchern vor.

Verhandlungen mit dem Land

Den Preis dafür verschwieg er nicht: strikte, einschneidende Einsparungen. Diese müssen in Verhandlungen mit dem Land in den kommenden Monaten im Detail ausgehandelt werden. „Wir legen dann exakt fest, was wir wo einsparen müssen - erst dann, wenn alle Positionen feststehen, stimmen die Gemeindevertreter darüber ab, ob wir dem Schutzschirm beitreten“, erklärte der Verwaltungschef. Man kaufe also keinesfalls die Katze im Sack. Zudem kämen Einsparungen ohnehin auf die Gemeinde zu - auch ohne Schutzschirm.

Dieser sieht vor, dass der Haushalt bis 2020 ausgeglichen sein muss - eine Zielsetzung, die die Gemeinde Ronshausen zuletzt 1994 erreicht hatte. Neue Schulden wären dann nicht mehr möglich. „Das wird nach unseren Berechnungen nicht funktionieren - wenn wir uns Lebensqualität erhalten wollen, müssen wir mit dem Land an dieser Stelle geschickt über einen Mindestbetrag verhandeln. Das Ende der Fahnenstange wäre sonst erreicht, alles darüber könnte vielleicht über Zuschüsse abgefangen werden“, erklärte Becker.

An Beispielen machte er deutlich, wie stark heruntergebrochen die Sparbemühungen in Ronshausen bereits sind: Das Radio im Kioskbereich des Badeparks wird abgestellt - 279 Euro GEMA-Gebühren fallen weg. Das Staubsaugen im Bürgermeisteramt wird reduziert - 4000 Euro Ersparnis pro Jahr. In Ronshausen brennen die Laternen nachts noch durch - vier Stunden Abschaltung: 7000 Euro weniger Kosten.

Auch auf der Einnahmeseite bei Steuern und Gebühren seien großartige Verbesserungen nicht in Sicht, machte Becker deutlich: „Die Auflage vom Land wird zwar sein, diese zu erhöhen, sodass wir zumindest nicht unter dem Landesdurchschnitt liegen - in vielen Bereichen liegen wir aber bereits schon darüber.“ Angesichts der geringen zu erwartenden Mehreinnahmen sei klar: „Damit werden wir von unseren Millionenschulden auch nicht runterkommen“.

Um die Gemeinde auf ihrem Weg aus den Schulden zu unterstützen, rief Becker alle Einwohner und Vereine dazu auf, sich aktiv durch Arbeitsleistung oder Vorschläge einzubringen. „Meine Tür steht jedem offen, der helfen will - rufen Sie an, kommen Sie vorbei, sprechen Sie mich auf der Straße an“, sagte der Bürgermeister.

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Von Peter Gottbehüt

Quelle: HNA

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