Rettung aus Schrottpresse

Vor Schrottpresse gerettet: Feuerwehr baute sich selbst ein Auto

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Voller Stolz präsentieren (von links) Achim Kimpel, Daniel Schmidt, Stefan Kurz, Volker Schreiber, Helmut Hofmann, Benjamin Frankenstein, Horst Allendorf und Holger Kamp ihr neues Kommando-Vorausfahrzeug. In fünf Jahren und mehr als 1500 Arbeitsstunden haben sie den 290GD komplett neu aufgebaut.

Gershausen. Sein erstes Leben verbrachte der Mercedes Benz 290GD hauptsächlich in den Kiesgruben der Firma Kies und Beton Naumann in Erfurt. Nach hartem Einsatz, einigen Remplern und einem Vollbad in einem Baggersee wartete die Schrottpresse auf den Geländewagen.

Heute strahlt das Auto in leuchtendem feuerwehrrot –RAL 3024 – vor dem Gerätehaus der Gershäuser Feuerwehr, als wäre es gerade frisch vom Band gelaufen.

Durch private Kontakte waren die Gershäuser auf den Geländewagen aufmerksam geworden. Zwar besaßen sie selbst eines der ersten G-Modelle aus dem Jahr 1979, das aber war ebenfalls stark restaurierungsbedürftig, war 15 Jahre älter als der Kieswerk-Benz und mit einem extrem durstigen Benzinmotor ausgestattet. Nach reiflichen Überlegungen wurde gemeinsam mit Bürgermeister Manfred Koch und Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch beschlossen: Der Benziner wird verkauft, der Diesel neu aufgebaut.

In Einzelteile zerlegt

So machten sich vor fünf Jahren acht Gershäuser Feuerwehrmänner, bis auf zwei alle irgendwie aus der Kfz-Branche, über den GD her und zerlegten ihn erst einmal in seine Einzelteile. Karosserie und Fahrwerk wurden getrennt und das Fahrwerk – als einzige Nicht-Eigenleistung – von einer Firma mit Sand und Trockeneis gestrahlt. Es folgten aufwändige Karosserie-Arbeiten. Viele Teile mussten entrostet werden, Seitenteile neu eingeschweißt oder – ganz modern – eingeklebt werden. Andere, wie zum Beispiel Kotflügel und ungezählte Kleinteile, wurden durch Neuteile ersetzt.

Motor und Getriebe wurden generalüberholt, die Bremsanlage erneuert. Dann folgten mit Spachteln, Schleifen und Grundieren die Vorbereitungen zur Neulackierung. Weil die meisten Einsatzfahrzeuge heute „normal“ lackiert und dann mit Folie beklebt sind, wurde die Beschaffung der Spezialfarbe zum Abenteuer. Auch das Aufbringen der Dreischicht-Lackierung erforderte besondere Fähigkeiten und das übernahm Nicht-Feuerwehrmann und gelernter Lackierer Oliver Frankenstein in seiner Freizeit.

Eine besondere Herausforderung beim Zusammenbau stellte die elektrische Verkabelung dar, auch weil das Fahrzeug mit reichlich digitaler Funktechnik, Martinshorn und Außenlautsprecher sowie Blaulicht und Blitzern in neuester LED-Technik ausgestattet werden sollte. „Damit haben wir das modernste und am besten ausgestattete Fahrzeug in Kirchheim“, erklärt Wehrführer Holger Kamp, und allgemein gelte das G-Modell als das geländegängigste Fahrzeug überhaupt.

Mindestens 1500 Stunden

Mindestens 1500 Stunden haben die „Schrauber“ in die Restaurierung investiert verkünden sie voller Stolz auf das Ergebnis – es könnten aber auch mehr als 2000 gewesen sein, wird in der Runde diskutiert. Bedanken wollen sich die Feuerwehrmänner bei all denen, die mit Hilfeleistungen, Sach- und Geldspenden das von der Kommune finanzierte rund 12 000 Euro teure Projekt unterstützt haben. Der Wert des neuen Feuerwehrautos muss jetzt von einem Gutachter ermittelt werden, dürfte allerdings etwa bei dem Dreifachen liegen.

Von Bernd Löwenberger

Quelle: HNA

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