Else Luckhardt fährt anlässlich ihres 75. Geburtstages nach Bad Kissingen

Reise in die Vergangenheit

Else Luckhardt: Die ehemalige Wirtin der Krempe feiert heute ihren 75-jährigen Geburtstag. Foto: Sasse

Bebra. Wenn Else Luckhardt als Kind zehn Pfennig bekam, ging sie zum Bebraer Bahnhof. Sie kaufte eine Bahnsteigkarte und staunte über die Züge, die an weit entfernte Orte wie Paris und Moskau fuhren. Dabei übermannte sie das Fernweh und sie träumte davon, auch einmal so weit wegzufahren.

Verlassen hat sie Bebra allerdings nie, abgesehen von einer halbjährigen Volontärszeit in einem Hotel in Bad Kissingen. Jetzt möchte Luckhardt, die heute 75 Jahre alt wird, ihre Heimat Bebra nicht mehr missen.

In ihrer Jugend war das anders. Sie hatte Angebote aus ganz Deutschland. „Ich hätte nach Baden-Baden ins Parkhotel gehen können.“ Doch als Luckhardt nach ihrer Volontärszeit nach Bebra zurückkehrte, hatte ihre Mutter gerade das Café Melodie, Bebras erste Glastanzdiele, wie Luckhardt stolz sagt, eröffnet. „Bleib erst mal ein Jahr hier“, sagte ihre Mutter damals. Und Luckhardt ist geblieben.

Das Fernweh hat sie dennoch nie richtig losgelassen, und als die Kinder groß waren, fing sie an zu reisen: Brasilien, Russland und die USA waren einige ihrer Reiseziele. Mit dem Besuch der Olympiade in Atlanta hat sie sich einen Traum erfüllt. Bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1957 hat Luckhardt Leichtathletik gemacht und ist geschwommen.

„Ich hätte nach Baden-Baden ins Parkhotel gehen können.“

Else Luckhardt

Das Musikantenstadel hat die ehemalige Wirtin der Gaststätte Krempe am Bahnhof mit einem Stammgast in China besucht. Der Gast war schon zweimal mit dem Musikantenstadel verreist. Eines Tages brachte er das China-Angebot mit in die Krempe. „Lass uns mitfahren,“ sagte Luckhardt, und sie fuhren.

Die Idee, die Krempe am Bahnhof zu eröffnen, hatte ihr Mann. Erst war es nur eine kleine Bierstube, Henninger am Bahnhof, am Tag der Grenzöffnung wurde das Lokal geschlossen und umgebaut, Weihnachten eröffnete das Café Bistro Zur Krempe.

Viele Erinnerungen

Mit ihrer Gaststätte verbindet die ehemalige Wirtin viele Erinnerungen. Einmal wollte sie einen Gast daran hindern, mit einem Glas die Kneipe zu verlassen. Er wurde sauer, schlug das Glas auf den Bordstein und bewarf sie dann damit, erzählt sie.

Heute lebt Luckhardt im Gama-Altenhilfezentrum am Bebraer Bahnhof. Wenn sie aus dem Fenster guckt, sieht sie den leeren Platz, auf dem ihre Krempe stand. Der Ort, an dem sie 48 Jahre gelebt und gearbeitet hat. Bald wird sie wieder umziehen und eine Kneipe an der Bahnhofstraße 12 eröffnen. Wann es so weit ist, weiß sie noch nicht, „wahrscheinlich im Juni.“

Zu ihrem 75. Geburtstag reist die Bebranerin in ihre Vergangenheit nach Bad Kissingen. Dort wird sie in einem Vier-Sterne-Hotel übernachten. Als junges Mädchen stand sie dort vor der Tür und hat davon geträumt, einmal in so einem Hotel zu schlafen.

Von Lara Sasse

Quelle: HNA

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