Der 16-jährige Ali floh aus Afghanistan – Zum deutschen Weihnachtsfest nicht allein

Reise ins Ungewisse

Eine lange Reise führte den 16-jährigen Ali von Afghanistan schließlich nach Deutschland. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Frecher Kurzhaarschnitt, graues Kapuzen-Sweatshirt, Jeans: Ali sieht aus wie viele andere Jungs in seinem Alter auch. Doch der 16-Jährige hat schon eine lange Reise hinter sich und Dinge erlebt, die sich hierzulande wohl kaum jemand vorstellen kann.

Während viele Familien jetzt gemeinsam das Weihnachtsfest feiern, ist Ali ganz allein in Deutschland. Der 16-Jährige kommt aus Afghanistan und lebt seit April als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

In der Heimat wuchs Ali bei seinen Eltern auf. Seine Familie gehört zur Volksgruppe der Hazara, einer persischsprachigen Minderheit. Sein Vater habe ein Hotel besessen, erzählt er. in dem häufig Taliban zu Gast gewesen seien. Nachdem es irgendwann Streit um die Bezahlung gegeben hatte, sei der Vater erschossen worden. Anschließend wurden auch er und seine Mutter bedroht, berichtet der Jugendliche. Er ist sichtlich nervös, fotografieren lassen will er sich nicht.

„Ich wollte nach Europa, egal wohin.“

Ali, 16 Jahre

Im Sommer 2011 floh Ali aus Afghanistan über den Iran, die Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich und landete schließlich in Deutschland. Wie viele andere Flüchtlinge wollte er nach Europa, „egal wohin“. Unter anderem sei er tagelang in einem Lkw unterwegs gewesen, erzählt der 16-Jährige.

Auf dem Saarbrücker Bahnhof wurde er von der Bundespolizei aufgegriffen und in die Obhut des Jugendamts übergeben. Papiere hatte Ali keine, es kamen Zweifel an seinem Alter auf. Vorläufig wurde der Flüchtling in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht, doch dort türmte er bald.

Kurz vor Weihnachten

Am 21. Dezember 2011, kurz vor Weihnachten, wurde er am Frankfurter Bahnhof erneut aufgegriffen und im April dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg zugewiesen. Hier lebte der vermeintlich Volljährige zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft in Kirchheim – in einem Mehrbettzimmer unter lauter Erwachsenen. Im September bestätigte die afghanische Botschaft in Bonn schließlich per Geburtsurkunde, dass Ali am 23. Juli 1996 in Ghazni geboren wurde. Die Vormundschaft hat nun das Jugendamt.

Anfang November durfte Ali in eine betreute Jugendwohngruppe in Bad Hersfeld ziehen. Gemeinsam mit fünf anderen Jugendlichen – darunter ein weiterer minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan – lebt er dort und hat endlich sein eigenes Zimmer. Jetzt könne er besser schlafen, murmelt der 16-Jährige. Viele Flüchtlinge leiden an Schlaflosigkeit und unter Albträumen, berichtet Vormund Claudia Leibelt. In Afghanistan sei es nachts häufig laut gewesen, versucht der 16-Jährige zu erklären, und spricht von Bombenangriffen. Manchmal lacht er laut während des Gesprächs, dann senkt er den Blick und spielt nervös an einem Gummiband.

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

Kommentare