Franziska Reichenbacher spielt mit der kindlichen Fantasie

So war "Die Goldene Gans": Das reine Herz besiegt die Gier

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Des einen Glück, des anderen Verhängnis: Theo (links, Yorick Tortochaux) begehrt das Gold der Gans, während sich der Dummling (Sasha René Bornemann) nur liebevoll um das Tier kümmern will.

Bad Hersfeld. "Die Goldene Gans" begeisterte bei der Premiere bei den Bad Hersfelder Festspielen Kinder und Erwachsene.

Dass Kindertheater funktioniert, merkt man meist daran, wenn die jungen Zuschauer anfangen, auf das Bühnenspiel zu reagieren. Wenn sie sich einlassen auf die Illusion, die die Darsteller mit ihrer Sprache und ihren Kostümen erschaffen, und sich die Bretter unter dem Bühnenbelag in eine andere Welt verwandeln.

Bei Franziska Reichenbachers Regiedebüt „Die Goldene Gans“ dauert es kurze Zeit, bis die Magie des Märchens greift. Doch dann kommen die Darsteller in Schwung und das Spiel mit der Fantasie beginnt.

Am besten zu erkennen ist dies, als ein blaues Stofftuch zu einem Teich umfunktioniert wird, in dem die Protagonisten baden.

Die Kinder in den vorderen Reihen recken ihre Hälse, um das imaginäre geheimnisvolle Männlein im Dunkel des Theaterzelts zu entdecken, das dem Helden Dummling eine goldene Gans schenkt. Diese bringt fortan nur ihm Glück, da er als einziger nicht ihr goldenes Gefieder begehrt.

Ein unscheinbarer Held 

Gespielt wird der Dummling von Sasha René Bornemann, der einen erfrischenden Auftritt als unscheinbarer Held hinlegt.

Während seine Brüder Max (Benjamin Wilke) und Theo (Yorick Tortochaux) wie paralysiert von dem Glanz des Goldes sind, gelingt es dem Dummling durch sein reines Herz, die traurige Prinzessin zum Lachen zu bringen und ihr Herz zu erobern.

Milena Tscharntke ist mit ihrem anrührenden Spiel, ihrem goldenen Kleid und ihren langen blonden Haaren die ideale Besetzung für die Prinzessin, die so auch einem Walt Disney-Film entsprungen sein könnte.

Über allem thront jedoch das subtil perfide Spiel von Tilo Keiner als intriganter Kanzler, der sich die Prinzessin zu eigen machen und an des Königs Stelle treten will. Mit grandioser Mimik und pointierter Sprache erschafft Keiner einen herrlich fiesen Antagonisten.

Alexander Pelz als wunderbar kauziger König und Christina Rohde als Amme und gute Seele des Stücks komplettieren die Riege der Märchencharaktere.

Reichenbacher erzählt ihre Geschichte über die Gier nach Macht und Gold auf der einen sowie Selbstlosigkeit und Mitgefühl auf der anderen Seite in einer ebenso märchenhaften wie materiellen Welt.

Der Hofstaat sieht sich mit Getreideknappheit konfrontiert, woraufhin der Kanzler die Steuern erhöhen will. Zwischen Manipulationen und Staatsgeschäfte tritt eine familiäre Tragödie, die durch die Kraft des Lachens und der Menschlichkeit gelindert wird.

Das sind ernste Themen und schöne Motive, die in einer kindgerechten, jedoch zuweilen auch etwas kitschigen Sprache zu einer Geschichte verwoben werden, die am Ende die Hoffnung auf das Gute im Menschen fokussiert.

Reichenbacher gelingt ein warmherziges und stimmungsvolles Debüt. Das neue Theaterzelt erweist sich als atmosphärisch passender Spielort.

Minutenlang bekam das Ensemble nach der gelungenen Premiere Applaus gespendet. Vor dem Zelt scharten sich im Anschluss begeisterte junge Zuschauer um die Darsteller, um ein Foto mit ihren Helden zu machen. (mad)

Quelle: HNA

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