Reaktionen auf das Abschneiden des deutschen Teams

Trainer aus der Region beurteilen EM-Aus

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Voll besetzt war die Bad Hersfelder Schildehalle am Donnerstagabend beim Public Viewing. Nach Spielschluss des Halbfinales zwischen Deutschland und Frankreich gab es aber enttäuschte Gesichter – Löws Team war durch die 0:2-Niederlage ausgeschieden.

Hersfeld-Rotenburg. Die Party ist vorbei. Enttäuschte Gesichter vor den Fernsehern und Großbildleinwänden: Im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft ereilte die deutsche Nationalmannschaft das Aus.

Nicht überzeugt von der Gesamtleistung der deutschen Elf bei diesem Turnier war Markus Heide. „Wir hatten ein paar Wackelspiele, ich denke nur an Polen. Und Italien hätte man schon mit mehr Risiko begegnen können“, sagt der 52-jährige Trainer der SG Ausbach/Friedewald.

Markus Heide

Spieler wie beispielsweise Thomas Müller wirkten überspielt und nicht frisch genug. „Eine Pause zwischendurch hätte ihm gutgetan.“ Trotz seines Tores gegen Italien habe ihn Mesut Özil enttäuscht, Julian Draxler dagegen nicht. „Bei uns geht zuviel nach der Anzahl der Länderspiele“, fügt er an.

Das Halbfinal-Aus lag nicht an der Schiri-Leistung, obwohl er sich schwer tue, die Situation bei Schweinsteigers Aktion so zu sehen, wie es der Schiri tat. „Das Handspiel von Boateng gegen Italien war einfacher zu sehen.“

Albert Heß, Zweiter Vorsitzender der Trainervereinigung Hersfeld-Rotenburg, nimmt kein Blatt vor den Mund. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Turnier: Wir haben ohne Sturm und Durchschlagskraft gespielt. Und: Wir hatten keine eingespielte Mannschaft.“

Albert Heß

Kritisch beurteilt Heß die Maßnahmen des Bundestrainers. „Thomas Müller war ein kompletter Totalausfall. Er spielt nur nach vorn, wir hatten keine Möglichkeit, ein Passspiel in die Spitze aufzuziehen. Undenkbar, wie ein Trainer so daran festhält.“

Stattdessen habe Löw ältere und nicht fitte Spieler mitgenommen. „Er hat die Möglichkeit nicht genutzt, junge Spieler zu bringen. Für mich hat er vollkommen versagt.“ Den Elfmeter hätte Heß nicht gepfiffen. Schweinsteiger habe der Flugkurve des Balles keine Veränderung gegeben. Unterdessen lobt er Frankreichs Leistung. „Das Spiel zu lesen, da waren sie uns weit voraus. Und sie waren überlegen im Defensivverhalten. Das war große Klasse.“ Für die WM in zwei Jahren sieht Heß keinesfalls schwarz, betont aber: „Keine älteren Spieler mitnehmen. Boateng, der Weltklasse war, Hummels, Kroos davor - und zwei Stürmer.“

„Wer so ein Spiel gewinnt, der muss etwas richtig gemacht haben“ - André Köthe sieht’s pragmatisch und hält das Resultat für gerecht. Der Trainer der SG Rotenburg/Lis-penhausen findet trotzdem, „dass die deutsche Mannschaft ein tolles Turnier gespielt hat. Es ist bezeichnend, dass sie dem Gegner bei beiden Gegentoren helfen musste mit einem unglücklichen Handspiel und einer völlig missglückten Abwehraktion. So gesehen hat sich die Mannschaft die Niederlage auch selbst eingebrockt und ihre gute Arbeit kaputt gemacht.“

Am Handelfmeter gibt es für Köthe jedenfalls nichts zu deuteln. „Ich habe auf Facebook viel Kritik am Schiedsrichter gelesen. Aber klar ist doch: Schweinsteigers Hand gehört da nicht hin. Der Schiedsrichter hat die Regel richtig ausgelegt.“

Insgesamt habe der deutschen Mannschaft ein Knipser gefehlt. „Müller ist das ganze Turnier über nicht in Tritt gekommen, Götze auch nicht. Und Gomez, der wider Erwarten enorm wichtig geworden ist, fehlte verletzt.“

Markus Pflanz

Das Halbfinale gegen Frankreich war für Markus Pflanz, Trainer des Kreisoberligisten SG Aulatal, von der fußballerischen Leistung her gesehen das beste des ganzen Turniers. Die Umstellung im zentralen Mittelfeld habe gefruchtet. „Wir haben nach den ersten Minuten sehr ordentlich gespielt.“ Das eigentliche Problem war, dass die deutsche Elf keine Weltklasse-Außenverteidiger und keinen echten Knipser. in ihren Reihen hat. „Dieses Problem zieht sich durch alle Jugend-Nationalmannschaften durch.“ Überdies hat er auch ein klares Foul an Kroos gesehen. „Die Ansetzung des Italieners Rizzoli war sehr unglücklich. Und bei Schweinsteiger ging der Ball zur Hand.“

Quelle: HNA

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