Comedian Hans-Herrmann Thielke sprang für Karl Dall ein

Er sang, tanzte, spielte Gitarre und jonglierte: Comedian Helmut Hoffmann in seiner Paraderolle als ehemaliger Postbeamte Hans-Herrmann Thielke, der unbedingt ins Showgeschäft möchte. Foto: Hörcher

Weiterode. Das Publikum, das am Mittwochabend in Ellis Saal gekommen war, wollte eigentlich Karl Dall in seinem Theaterstück „Der Opa“ sehen. Der war allerdings kurzfristig erkrankt. Doch die Veranstalter hatten einen Ersatz organisiert: Comedian Helmut Hoffmann gab in seiner Paraderolle als ehemaliger Postbeamter Hans-Herrmann Thielke sein aktuelles Bühnenprogramm „Jetzt oder nie!“ zum Besten.

Als Entschädigung war die Veranstaltung kostenlos für alle, die eine Karte hatten. „Danke, dass Sie geblieben sind“, begrüßte der Comedian die Gäste. Doch schon bald bewies er dem Publikum, dass er mehr als nur der erstbeste Ersatz ist, der sich finden ließ.

Von seinem Chef mit 51 Jahren in den Vorruhestand geschickt, hat die Kunstfigur Hans-Hermann Thielke nun ein klares Ziel: „Ich will ins Showgeschäft. Auf dem zweiten Bildungsweg.“ Und dazu ist ihm jedes Mittel Recht.

Er spielt auf der Gitarre ein eigens komponiertes Gute-Laune-Lied, trägt Witze aus einem uralten Witzebuch vor, führt albern wirkende Tanz- und Jonglagenummern auf, singt Schlager wie „Blau blüht der Enzian“ und „Fiesta Mexicana“ sowie eine selbst geschriebene schmalzige Liebsarie. Wenig später rast er mit seinem Bürostuhl über die Bühne und dreht Piroetten, während Discomusik erklingt und Kunstnebel aufsteigt.

Auto wird Naturschutzgebiet

Zwischen diesen Show-Einlagen erzählt Thielke mit gepresster Stimme Anekdoten aus seinem Alltag als ganz gewöhnlicher Durchschnittsbürger, die schnell ins Absurde abdriften. Etwa, wenn er von einem Marder berichtet, der sich in seinem Ford Fiesta eingenistet habe. Thielke wollte das Tier beseitigen, doch dann schaltete sich sein naturliebender Nachbar ein. Der habe eine einstweilige Verfügung erwirkt, und sein Wagen wurde zum Naturschutzgebiet erklärt. Jetzt darf Thielke nicht mehr mit seinem Auto fahren, und betreten darf er es auch nur noch eingeschränkt – auf keinen Fall innerhalb der Ruhezeiten des nachtaktiven Marders. „Jetzt sitze ich manchmal nachts ein paar Stunden auf dem Rücksitz, um den Wagen überhaupt noch nutzen zu können.“

Herrlich grotesk ist die Geschichte, in der Thielke im Supermarkt einen unliebsamen Ex-Arbeitskollegen sieht, und sich, um einem Gespräch aus dem Weg zu gehen, in der Tiefkühltruhe versteckt.

Beinahe tragikomisch wird es, wenn er von den Heiratsplänen mit seiner Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt berichtet. Diese weiß zwar noch nichts von ihrem Glück – aber Thielke hat vorsorglich schon mal einen Bilderrahmen für ihr Foto gekauft. Der ist zwar momentan noch leer, aber er hat ihn immer dabei.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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