Interview mit Alfons, dem Kultreporter mit dem Puschelmikrofon

In der Raucherzone

Keine Angst vor diesem Mann: Alfons spielt nur. Foto: nh

Weiterode. Alfons, der Kult-reporter der ARD mit Puschelmikrofon und fettigem Haar, mit orangefarbener Trainingsjacke und hinreißendem französischen Akzent, tritt am Donnerstag, 26. Juli, ab 20 Uhr in Ellis Saal in Weiterode auf. Die Veranstaltung gehört zum Kultursommer Nordhessen. Wir sprachen mit dem Franzosen, der eigentlich Emmanuel Peterfalvi heißt.

Monsieur Alfons, Sie treten mit Ihrem Programm „Mein Deutschland“ in Bebra-Weiterode auf. Haben Sie zuvor schon mal von diesem Ort gehört? Alfons: Nein, zuerst noch nicht. Erst, als ich so eine Art Vertrag unterschrieben habe.

Mein Deutschland – das klingt ja fast liebevoll. Mögen Sie die Marotten der Deutschen, die Sie bloßlegen? Alfons: Ich lege gar nichts bloß. Für wen halten Sie mich bloß, meine Frau Reporterin? Dieses Programm ist in der Tat liebevoll. Aber es ist auch eine Art Feier. Ich feiere mein Jubiläum: Ich bin seit 20 Jahren in Deutschland. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bleibe. Am Anfang habe ich gedacht, das Land ist interessant, und ich bleibe so lange, bis ich die Deutschen verstanden habe. Ja, und nach 20 Jahren bin ich noch da. Sie haben uns immer noch nicht verstanden? Alfons: Ich bin dabei. Ich unternehme viel, um die lieben Deutschen zu verstehen. Das macht mir viel Spaß. Und wie ich merke, macht es auch den Deutschen viel Spaß zu hören, was ich unternehme. Sie versprechen, Ihr Publikum nicht zu interviewen. Warum eigentlich nicht? Alfons: Wenn ich das nicht versprechen würde, würde keiner kommen. Das Puschelmikrofon ist zwar auf der Bühne, aber es kommt nicht zum Einsatz. Dafür gibt es eine große Leinwand. Ab und zu zeige ich das, was die Leute immer wieder sehen wollen, oder etwas, was noch nicht im Fernsehen gelaufen ist. Also ein Bonus für die Zuschauer. Würde Ihr Format auch in anderen Ländern funktionieren? Alfons: Das muss man ausprobieren. Wenn Sie nichts vorhaben, fahren Sie nach Frankreich, im Dirndl, und fragen Sie die Leute dort. Dann rufen Sie mich an und erzählen, wie‘s gelaufen ist. Reagieren Interview-Partner auch schon mal aggressiv, wenn Sie sie ansprechen? Alfons: Nein. Das ist zum Glück noch nie passiert. Nur einmal hat sich einer beschwert. Der hat gesagt, Du hast mich total lange interviewt und dann im Fernsehen nur 30 Sekunden gezeigt. Der war verärgert. Aber allgemein mögen die Leute meine Art zu fragen. 20 Jahre in Deutschland – nennen Sie mal drei Dinge, die typisch deutsch sind. Alfons: Typisch deutsch ist, sich an Regeln und Gesetze zu halten. Das macht sonst niemand in Europa. Es ist besser, dass die Deutschen nicht wissen, dass sie die Einzigen sind.

Zweitens: typisch deutsch ist, sich an Regeln und Gesetze zu halten. Und drittens auch.

Wenn ich meinen Kumpels in Frankreich erzähle, dass es in Deutschland auf Freiluftbahnsteigen – und ich betone Freiluft – eine Raucherzone gibt, und zwar ein gelbes Quadrat, in der man mit beiden Beinen stehen muss, wenn man rauchen will, glauben sie mir erst nicht. Das muss ich fotografieren, damit sie es glauben. Auch so etwas ist typisch deutsch.

Karten: HNA-Geschäftsstellen in Bebra und Rotenburg, Telefon 0 66 22/92 38 0 und 0 66 23/92 12 20, Buchgalerie Berge in Rotenburg, Telefon 0 66 23/91 91 61 sowie Kultursommer Nordhessen, Telefon 05 61/988 393 99 www.kultursommer- nordhessen.de

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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