Der rastlose Reservist: Heinz Schlegel wird 75

Das entspannt ihn: Heinz Schlegel wohnt mit seiner Frau Ursula am Lispenhäuser Vogelsberg. Von seinem Garten hat der Kreisbeigeordnete, der heute 75 Jahre alt wird, einen herrlichen Blick auf den Stadtteil mit Wasserburg und Flottwerk bis hinüber zur Alheimer-Kaserne, in der der Hauptmann der Reserve viele Jahre gedient hat.

Rotenburg. Der Kreisbeigeordnete Heinz Schlegel feiert am Samstag seinen 75. Geburtstag. Wir stellen den Mann, der in der Kommunalpolitik und vielen Vereinen engagiert ist, im Porträt vor.

Manche Menschen treten ab einem gewissen Alter kürzer, wollen ihren Ruhestand genießen, Freizeit haben, viel reisen. Nicht so Heinz Schlegel. Der Kreisbeigeordnete denkt nicht daran, seine vielen Ehrenämter in Politik und Vereinen an den Nagel zu hängen.

"Wenn ich mal nichts im Kalender stehen habe, dann fühle ich mich nicht wohl", sagt der drahtige Lispenhäuser. Natürlich stelle auch er sich die Frage, wie lange er noch weitermachen soll. Seit 1972 ist das CDU-Mitglied in der Rotenburger Stadtpolitik aktiv, seit 2001 auch auf Kreisebene. Vor der Kommunalwahl 2015 will er sein politisches Engagement zumindest überdenken. Von Aufhören spricht er aber noch nicht: "Ich will nicht einrosten."

"Grüßaugust" nennen manche die ehrenamtlichen Beigeordneten, die zu Ehejubiläen und runden Geburtstagen gratulieren. Die Formulierung stört Schlegel nicht. "Die älteren Leute schätzen das sehr, dass sie bei der Politik noch nicht abgeschrieben sind und besucht werden." Doch seine politischen Aufgaben erschöpfen sich nicht im Händeschütteln und Urkundenverteilen. Seine vielen Kontakte nutzt er, um sich für Menschen und Themen einzusetzen, die ihm am Herzen liegen. Und wenn er mal etwas als richtig und wichtig erkannt hat, dann gibt es für ihn kein Halten mehr. So hat er 2001 für den Erhalt der Alheimer-Kaserne demonstriert, seinen früheren Arbeitsplatz. Damals war er erfolgreich, inzwischen ist die Auflösung des Standorts jedoch beschlossen.

Der rastlose Hauptmann der Reserve, der 1991 nach 35 Dienstjahren aus der Bundeswehr ausschied, findet seinen Ausgleich bei der Jagd. Oft steht er um 3.30 Uhr auf, um mit Rauhaardackel Anton - "aus Thüringen, nicht aus Tirol" - in sein Revier im Gudegrund zu gehen. Nur er und die Natur, kein Telefon. Ihm sei vor allem die Hege wichtig: "Ich sehe mir die Tiere lieber an, als sie zu schießen." Dass seine innere Unruhe nicht immer gut für ihn ist, hat er im Frühjahr festgestellt. Da war er beim Bau eines Hochsitzes gestürzt, hatte sich schwer verletzt. Da ihm Rumliegen nicht liegt, hat er das Krankenhaus früh wieder verlassen - zu früh: Weil er sich nicht schonte, musste er erneut ins Rotenburger Kreiskrankenhaus. "Da fehlt mir einfach die Geduld", sagt Schlegel. Reisen ist für ihn kein Thema mehr. Er hat schon alle fünf Kontinente gesehen, wie viele Mitbringsel an den Wänden seines Hauses beweisen. Zuletzt sprang er 2002 ins eiskalte Wasser der Antarktis. Auch im Urlaub hat Heinz Schlegel keine Rücksicht auf sich genommen.

Zur Person

Heinz Schlegel wurde am 20. Juli 1938 in Würzburg geboren. 1956, mit 18 Jahren, meldete er sich freiwillig zur neu gegründeten Bundeswehr. Da war er bereits Schreinergeselle. Mit der Bundeswehr kam er nach Rotenburg in die Alheimer-Kaserne, wo er seine spätere Frau Ursula kennenlernte. Das Paar ist seit 46 Jahren verheiratet, hat keine Kinder und lebt auf dem Vogelsberg in Lispenhausen.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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