Bei Solz gibt es sehr seltene Orchideen und Schmetterlinge wie den Ameisenbläuling

Raritäten am Spembel

Meist lila: das Dreizähnige Knabenkraut

Solz. Bunt blüht es zurzeit am Spembel oberhalb von Solz: Hier gedeiht nicht nur das äußerst seltene Dreizähnige Knabenkraut, sondern es gedeihen auch Wiesensalbei, der gelbe Hornklee und die Waldanemone, die sich im Kreis sonst nur noch am Landecker heimisch fühlt. Dazwischen finden sich Schlüsselblumen, die aber ihre Blütezeit schon hinter sich haben.

Das FFH-Gebiet bei Solz bietet ideale Bedingungen für eine Reihe von seltenen Pflanzen. Von einer Kostbarkeit spricht Dieter Gothe von der NABU-Gruppe Solz beim Blick auf das Dreizähnige Knabenkraut, das zu den Orchideen zählt. Es gibt sie nur noch an ganz wenigen Stellen in Mitteldeutschland, ansonsten wächst sie in den Balkanländern.

Die lila Orchidee mit den drei Zähnen der Blüte liebt den mageren Zechsteinkalk-Boden, der nie gedüngt oder gespritzt wurde und Wärme besonders gut speichert. „Das ist Arme-Leute-Land“, erklärt Gothe. Das Land wurde früher von Schafen und Ziegen beweidet, die Wiesen gemäht und mehrmals im Jahr abgerecht, sodass die Nährstoffe immer weniger wurden. Diesen armen Boden lieben eine Reihe von Pflanzen. Auch die zurzeit blühende Waldanemone ist selten geworden. Heimisch ist hier eine weitere Rarität: der Schmetterling namens Thymian-Ameisenbläuling. Die Raupen leben im Ameisenbau und ernähren sich dort von Eiern und Larven der Ameisen. Schlüpft dann der Schmetterling aus der Puppe, muss er den Ameisenbau sofort verlassen, um nicht selbst Beute der Ameisen zu werden.

Ehemalige Hutefläche

Um den seltenen Pflanzen und Tieren wieder mehr Raum zu geben, ist Ende vergangenen Jahres am Spembel auf einer ehemaligen Hutefläche ein Nadelbaumbestand von 7000 Quadratmetern mithilfe eines großen Harvesters von Hessen Forst geschlagen worden.

Anschließend räumte die Werkstatt für junge Menschen aus Eschwege mit etwa zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Leitung von Thomas Blume über Wochen hinweg das Gelände in mühsamer Handarbeit auf.

Der Spembel oder auch Hesselkopf wird ebenso wie FFH-Flächen an der Hohen Buche und am Hegeküppel von der NABU-Gruppe Solz betreut. Die engagierten Mitglieder der Gruppe werden jetzt am Spembel verhindern, dass sich Pionierpflanzen wie Schwarzdorn, Hartriegel oder Löwenzahn ausbreiten. Noch können das die Schafe und Ziegen von Berthold Brandau aus Solz nicht allein, aber ab 2018 soll die Beweidung ausreichen, um den Kalkmagerrasen mit seiner Artenvielfalt zu erhalten. Insgesamt ist die Fläche am Hesselkopf fünf Hektar groß. Er gehört zum Kalkmagerrasenverbund Solz, zu dem neben den genannten auch der Galgenberg, der Falkskopf und der Wacholderberg (Nentershausen) zählen.

Das Projekt am Hesselkopf hat Gerd Teichler vom Fachdienst Ländlicher Raum beim Kreis betreut, von Hessen Forst waren Volker Neumann und Sandrock aktiv. Für die Arbeiten wurde Geld aus Ausgleichsmaßnahmen eingesetzt. HINTERGRUND

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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