Kiste mit Dokumenten eines Soldaten gefunden

Ralph Peters berichtete Rotenburger Schülern vom Ersten Weltkrieg

+
Aufmerksame Zuhörer: Ralph Peters (links) im Gespräch mit Schülern der Jakob-Grimm-Schule.

Rotenburg. Auf einem Flohmarkt in Münster entdeckte Ralph Peters einen kleinen Schatz: Kartons mit Fotos, Urkunden und Briefen eines Mannes. Sie sind einmalige historische Quellen.

Denn der Mann war ziemlich genau vor 100 Jahren deutscher Soldat im ersten Weltkrieg.

Anhand der Zeugnisse hat Peters das Erleben des jungen Gefreiten Wilhelm Gronebaum aus Gütersloh nachempfunden und Schülern der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule davon berichtet - als Gast in der Reihe „Gegen Vergessen, für Demokratie“.

Der 43-jährige Peters stammt aus Bebra und machte 1990 Abitur an der Jakob-Grimm-Schule. Heute ist er kaufmännischer Leiter in einem großen Konzern. Aus der Schulzeit, so Peters, habe er die Begeisterung für Geschichte mitgenommen und speziell das Interesse für Schicksale einzelner Menschen, deren Perspektive einen individuellen Zugang zu Geschichte ermögliche.

Ein spannender Vortrag

Auf Flohmärkten geht Peters oftmals auf die Suche nach Briefen und Dokumenten aus den Jahren der Weltkriege. Mit den Dokumenten von Wilhelm Gronebaum hat Peters einen wertvollen Fund gemacht. Viel Zeit hat Peters investiert, die Schrift zu entziffern und zu recherchieren. Für die Rotenburger Schüler hat er aus der Geschichte des deutschen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg an der Somme in Frankreich kämpfte, einen spannenden Vortrag gemacht.

Foto aus dem Fund von Ralph Peters: Wilhelm Gronebaum (rechts) 1917 mit einem Kameraden.

Überraschend ist für die Schüler der unbedarfte Tonfall des Gefreiten, dessen Schilderungen aus dem Kriegsgebiet manchmal wie Berichte aus dem Urlaub klingen. „Ganz vergnügt“ hält er Kaffeekränzchen, spricht von „behaglicher Ruhe“, beschreibt fasziniert den Absturz eines brennenden französischen Flugzeugs nach dem Luftkampf mit einer deutschen Maschine. Er erzählt von Theaterbesuchen und schickt einen Ring nach Hause, den er aus einem französischen Infanteriegeschoss gebastelt hat.

Gleichzeitig kommt, als heftiger Kontrast, die Grausamkeit des Krieges zum Ausdruck: Von Giftgas und Granatsplittern ist die Rede, ein Mensch wird vor Wilhelms Augen zerrissen. Ein Foto zeigt Dutzende toter deutscher Soldaten in einem Wald. Ob Gronebaum seine Angehörigen nur beruhigen will, als er im Juli 1916 schreibt: „Mit Gasangriffen erreicht der Franzmann bei uns absolut nichts mehr, da unsere Gasmasken ganz vorzüglich sind.“

Nach der Schlacht an der Somme, die vermutlich Hunderttausende das Leben kostete, wird Wilhelm nach Belgien verlegt. Er überlebt den Krieg, hat Peters herausgefunden, und gründet in Gütersloh eine Familie. Im Gütersloher Stadtmagazin hat Ralph Peters die Ergebnisse seiner Arbeit veröffentlicht. Außerdem ist im Flöttmann Verlag eine Broschüre erschienen.

Quelle: HNA

Kommentare