Mit der Queen im Salonzug: Hans Möller reiste vor 50 Jahren mit der Königin

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Erinnerungen: Er sorgte als Wartungstechniker für die Verbindung nach England.

Bebra. Hans Möller speiste mit der Zofe von Queen Elisabeth II., lernte Prinz Philips Butler kennen und sorgte als Fernmeldetechniker für die Verbindung in den Buckingham Palast.

Hans Möller reiste vor 50 Jahren im Mai mit der Queen und ihrem Gefolge zehn Tage durch Deutschland - in einem der 15 Wagen der königlichen Residenz auf Schienen. Er war mit verantwortlich dafür, dass die Regierungsgeschäfte auch vom Zug aus störungsfrei abgewickelt werden konnten.

Bis heute denkt Möller mit Freude zurück, wie er, der Dorfjunge, mit Mrs. McDonald, der Zofe Ihrer Majestät. im Gesellschaftshaus in Duisburg Spargel speiste. „Die Engländer lieben Spargel“, sagt Möller. Um sich nicht zu blamieren, wartete er ab, wie die Zofe das königliche Gemüse vom Teller in den Mund befördert hatte, und tat es ihr nach.

Schritt aus dem Salonwagen: Dieses Foto mit Elisabeth II. aus dem Jahr 1965 ist das einzige, das Hans Möller von seiner Reise mit der Queen besitzt – außer einer kleinen Medaille.

Die Verständigung auf Englisch klappte - dazu reichten ein paar Worte aus (I connect you, zum Beispiel), die sich der junge Fernmeldetechniker angeeignet hatte. Allerdings gab es Kritik an dem graublauen Anzug, den der 30-Jährige trug. Bundesbahnrat Stier, der zuständige Organisator, bemerkte, der Anzug entspreche nicht der Kleiderordnung im königlichen Salonzug. Er habe keinen besseren und sei auch nicht im diplomatischen Dienst, sondern nur Fernmeldetechniker, erwiderte Möller damals - und damit war die Sache erledigt.

Im Gefolge der Königin befanden sich jede Menge Sicherheitsleute bis hin zum Geheimdienst, die für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen hatten. Als der Butler von Prinz Philip während eines Aufenthaltes einmal außerhalb der Sicherheitszone seine dicke Zigarre geraucht hatte und man ihn wegen des fehlenden Ausweises nicht wieder hineinlassen wollte, sorgte Möller dafür, dass der Butler keinen Ärger bekam.

Möller, Jahrgang 1935, war als Fernmeldetechniker der Bahn 1955 von Bebra nach Frankfurt gewechselt. Schon ein Jahr später war er dabei, als der Salonsonderzug ausgerüstet wurde, mit dem Bundeskanzler Adenauer nach Moskau reiste.

Nun, 1965, war Möller für eine Funkanlage und die Vermittlung mit 60 Fernsprechern in dem zum Nachrichtenwagen umgebauten Salonspeisewagen zuständig. Ursprünglich sollte sein Chef, ein Leitender Inspektor, mitfahren, doch der war kurz vorher erkrankt. „Trauen Sie sich das allein zu?“, hatte man Möller gefragt, und der hatte trotz der großen Verantwortung zugesagt - nach dem Motto: „Vogel, friß oder stirb“.

Von den spannenden zehn Tagen im Leben Möllers, der damals 30 Jahre alt und junger Vater war, gibt es kein Foto, das ihn mit der Queen oder auch nur allein vor dem Salonzug zeigte. Er sah das englische Staatsoberhaupt nur im gebotenen Abstand. „Ich habe ihr nicht die Hand geschüttelt“, sagt Möller.

Name und Titel 

Aber bis heute erinnert er sich an alle Einzelheiten und hat noch fast jeden Namen samt Titel parat. Geblieben ist ihm aber das Foto, das ein anderer von der Königin schoss, und eine kleine Medaille mit den Initialen E.II.R. - Elisabeth II. Regina (Königin).

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Quelle: HNA

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