Gut 60 Besucher intereressierten sich für die Sammlung des Solzer Spielzeugmuseums

Puppen unterm Hammer

Schnelle Entscheidungen: die waren gefragt bei der Versteigerung der Sammlung des Solzer Spielzeugmuseums, die am Samstag in der Trottenburg über die Bühne ging. Fotos: Meyer

Solz. Anke Wendl spricht schnell, während ihre aufmerksamen Augen den ganzen Saal im Blick haben. „Dreihundert im Saal“, sagt sie, „Aufruf 280 – wer bietet 70?“. Ihre erhobene Hand, in der sie einen Kugelschreiber hält, wandert hin und her. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, herzlichen Glückwunsch.“ In der Solzer Trottenburg ist am Samstag die Sammlung des Solzer Spielzeugmuseums versteigert worden, das nach fast 25 Jahren geschlossen wurde – wir berichteten.

Spielzeug ist bei der Versteigerung keines im gelben Saal der Burg, dafür jede Menge Technik. Auf dem erhöhten Pult der Auktionatorin stehen Laptops, darüber hängt ein großer Flachbildschirm, der nacheinander Nussknacker, Räuchermännchen, Puppen und Eisenbahn zeigen wird. Eine Kamera auf Stativ filmt den Saal – für das thüringer Auktionshaus Wendl eine rechtliche Absicherung.

Mutter begann Sammlung

Sibylle Kopf vom Museum und ihrer Schwester Ulrike von Trott zu Solz ist der Schmerz an diesem Tag anzusehen. Vor fast 90 Jahren begann die Mutter der beiden die Spielzeugsammlung. Ihre Mutter wäre in diesem Jahr 105 Jahre alt geworden, sagt Kopf den Auktionsbesuchern vor Beginn. „Es ist irgendwann im Leben Zeit, Abschied zu nehmen.“

Während das Auktionsteam noch ein technisches Problem löst, verrät eine der Besucherinnen in der letzten Reihe, was sie heute hierher bewegt hat: Ulrike Hahn ist Leiterin des Sontraer Heimatmuseums und sucht Ergänzungen für eine Ausstellung. Pferdestall, Bügeleisen und Bettpfanne hat sie im grünen Auktionskatalog gefunden, den jeder der gut 60 Besucher in den Händen hält.

Dann geht es los. In schnellem Takt sagt Anke Wendl Zahlen auf. Wer Interesse hat, hebt leicht seine Nummernkarte an, muss aber schnell entschlossen sein, denn die Auktionatorin gibt ein hohes Tempo vor. Je höher die gebotene Summe, desto größer der Schritt zum nächsten Gebot. Kurz Geduld haben muss die Auktionatorin, als sich ein Bieter zuschaltet, der nicht vor Ort sein kann. Eine Frau, die ihn bei der Auktion vertritt, hält ein Telefon am Ohr, fragt immer wieder nach und hebt dann die Nummernkarte.

Einen Hammer hat Wendl nicht, dafür versteckt sich ein harter Gegenstand in ihrer Hand. Wenn es „zum Dritten“ heißt und der Gegenstand laut auf das Pult schlägt, ist die einzelne Auktion vorbei, und das Spielzeug hat den Besitzer gewechselt. Hintergrund

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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