Ärger ums runde Leder

Public Viewing in Widdershausen wird nach Anwohner-Protest verlegt

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Fußballbegeistert: (von links) Fabian Kiefer, Alexander Rimbach, Theresa Rimbach, Maximilian Ruch und Leonardo Zuparic vom Jugendclub „Oldschool“ in Widderhausen freuen sich aufs Public Viewing, ärgern sich aber, dass die Stadt Heringen ihnen kurzfristig die Nutzung des alten Schulhofs verwehrt hat.

Widdershausen. Auch wenn mit dem Sportplatz mittlerweile ein Ersatzgelände fürs Public Viewing in Widdershausen gefunden wurde, sind die Mitglieder des Jugendclubs „Oldschool“ enttäuscht.

Wie schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren wollten sie auf dem ehemaligen Schulhof Eröffnungsspiel, die Begegnungen mit deutscher Beteiligung sowie die Finalspiele der Europameisterschaft auf Großbildleinwand zeigen.

Zwei Wochen vor dem ersten Anpfiff am kommenden Freitag habe die Stadtverwaltung dem Jugendclub mitgeteilt, dass der Schulhof nicht zur Verfügung stehe. Zu diesem Zeitpunkt seien Getränke, Ausschankwagen und das Spezial-Gerüst für die Leinwand natürlich längst geordert und die Veranstaltung bei der Gema angemeldet und auf ersten Plakaten angekündigt gewesen, beklagen die Jugendlichen. Grund für die Absage sei eine Unterschriften-Aktion von Nachbarn des ehemaligen Schulgeländes, auf dem sich auch die Räume des Jugendclubs befinden, gewesen. „Zehn Personen aus vier Familien haben unterschrieben“, berichtet Fabian Kiefer.

Das bestätigt auch Bürgermeister Hans Ries. Schon zur Weltmeisterschaft habe es von wenigen Anwohnern so massive Beschwerden gehagelt, dass das Endspiel in die benachbarte Mehrzweckhalle verlegt wurde. Auch wenn sich sein Verständnis für die Position der Nachbarn in Grenzen halte, habe er permanente Auseinandersetzungen vermeiden wollen und dem Jugendclub angeboten, die Übertragungen in die Mehrzweckhalle zu verlegen, erläutert der Rathauschef.

Das allerdings ist aus deren Sicht wenig praktikabel: „Nach jedem Spiel müssten wie die komplette Einrichtung ab- und beim nächsten Mal wieder aufbauen. Wir können nicht jedes mal Urlaub nehmen“, erklärt Alexander Rimbach. Dass es bei Feiern auf dem Schulgelände auch mal lauter geworden sei, bestreitet Fabian Kiefer nicht. Er spricht jedoch von Einzelfällen und beklagt, dass die Nachbarn sich lieber bei der Stadt oder Polizei beschwert hätten, anstatt das direkte Gespräch zu suchen. Mittlerweile seien die Fronten verhärtet. Neben Mehraufwand und Mehrkosten durch die Verlegung ärgert die Mitgleider vor allem die kurzfristige Absage. Der Jugendclub wolle etwas auf auf die Beine stellen und zum Gemeinschaftsleben beitragen – und werde ausgebremst, bedauert Kiefer. Die 20 Mitglieder stellen Vertreter in der Dachorganisation der Vereine und haben bereits Kicker-Turniere, Oktoberfeste und Weihnachtsdiscos organisiert und im vergangenen Herbst erstmals die Kirmes ausgerichtet.

Auch Bürgermeister Hans Ries lobt ausdrücklich das in seinen Augen außergewöhnliche Engagement des Jugendclubs und betont: Wenn ein wetterbedingtes Ausweichquartier benötigt werde, stehe die Mehrzweckhalle zur Verfügung. Die Mitglieder des Jugendclubs wähnen indes die Mehrheit der Einwohner hinter sich: Innerhalb kürzester Zeit sei mehr als die zwanzigfache Unterschriftenzahl für das Public Viewing zusammengekommen.

Nachbarn klagen über Lärm

Der Konflikt ums Public Viewing in Widderhhausen hat offenbar eine längere Vorgeschichte. Seit Jahren litten sie unter Lärm und Randale, beklagen Nachbarn, die die Unterschriftenaktion auf den Weg gebracht haben. Auf Anraten der Polizei hätten sie seit November alle Vorfälle protokolliert, erklären Anwohner, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Sie berichten von lauter Musik bis in die frühen Morgenstunden, Gebrüll und Randale auf dem Schulhof, umhergeworfenen Fahrrädern, Beschädigungen, umgeschmissenen Schildern und von offensichtlich alkoholisierten Jugendlichen gezündeten Böllern. Das gehe schon seit Jahren so – und werde immer schlimmer. Auf die Dauer gehe das an die Substanz. Von der Stadt fühlen sich die Anwohner alleine gelassen – den Jugendlichen würden in ihren Augen keine Grenzen gesetzt. Beim Public Viewing vor zwei Jahren seien nicht nur die deutschen Gruppenspiele gezeigt worden, sondern mit zwei Ausnahmen alle Vorrunden-Begegnungen – oftmals begleitet von lauter Musik und lautstarken Feiern im Anschluss. Von den neuerlichen Plänen für die Großbild-Übertragung hätten die Nachbarn nur zufällig erfahren. Ausschlaggebend für die Unterschriften-Aktion seien schließlich Vorfälle am 1. Mai gewesen. An diesem Tag hätten die Jugendlichen ab Mittags mit lauter Musik und Radau auf dem Schulhof gefeiert. Auf die Aufforderung, leiser zu sein, hätten sei den Nachbarn zugerufen, sie sollten doch die Polizei rufen, wenn sie sich gestört fühlten. Doch selbst nachdem die Beamten vor Ort waren, sei es munter weitergegangen. Mit dem Schreiben an die Stadt habe man dokumentieren wollen, dass nicht nur Einzelne, sondern alle direkten Anwohner sich gestört fühlen. Das Public Viewing sei nunmal eine Sport-Veranstaltung – und damit auf dem Fußballplatz besser aufgehoben als mitten im Wohngebiet, meinen die Nachbarn.

Quelle: HNA

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