Alles anders mit Whatsapp

Pubertät ist immer eine Herausforderung - mit sozialen Netzwerken erst recht

Emoticons: So heißen die kleinen Bildchen und Symbole, die man per WhatsApp Messenger verschicken kann – mit oder ohne Text. Foto: Britta Pedersen/dpa

Bebra. Für Jugendliche ist ein Leben ohne soziale Medien nicht mehr vorstellbar. Besonders WhatsApp ist ihnen wichtig - und bereitet damit Eltern bisher unbekannte Probleme.

Ohne WhatsApp geht bei Teenagern gar nichts mehr. 300 Nachrichten, die noch vor Frühstück und Schule auf die Jugendlichen einprasseln, sind normal. Das sagen Schulsozialarbeiterin Christina Kindler von der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra und Eckhard Möller von der Erziehungsberatung der Psychologischen Beratungsstelle der Diakonie.

Eltern sind verunsichert, wie sie sich dazu verhalten sollen. War die Pubertät schon immer eine schwierige Zeit für die Jugendlichen und ihre Eltern, so haben sich mit WhatsApp und Co. weitere Problemfelder aufgetan.

Eckhard Möller

Gegen die Unsicherheit der Eltern setzen Kindler und Möller Information. Sieladen Eltern von Kindern nach der Grundschulzeit zu einer Veranstaltung ein, bei der es um den Erziehungsalltag geht und wie man schwierige Situationen mit Kindern in der Pubertät besser bewältigen kann.

Wir stellten im Vorfeld Fragen an die beiden Initiatioren und Referenten, Christina Kindler und Eckhard Möller.

Pubertät ist ja nichts Neues, oder ist die Pubertät heute anders als vor dem digitalen Zeitalter?

Die Zeit zwischen Kindheit und dem Erwachsensein hat viel mit dem Ausloten von Grenzen zu tun. Jede Generation definiert sich hier neu. Während man früher schon mit langen Haaren, ein bisschen Cannabis und dem Gebrauch des Wortes „Scheiße“ provozieren konnte, sieht das heute ganz anders aus, sagt Eckhard Möller. Und heute spielen die sozialen Netzwerke wie WhatsApp eine große Rolle. Das ist eine neue brisante Mischung.

Was ist so problematisch an WhatsApp?

Ein wesentlicher Aspekt der Pubertät ist es, etwas Verbotenes zu tun. Auf WhatsApp wähnen sich die Jugendlichen in Sicherheit, stellen unbedarft Fotos etwa von altersgerechten Spielchen wie Flaschendrehen ein. Mit der Veröffentlichung gewinnen die Fotos aber eine andere Dimension. Sie bleiben sichtbar, sagt Christina Kindler.

Wie können Sie den Eltern helfen?

Christina Kindler

Die Eltern sind oft verursichert, sie nehmen Facebook, WhatsApp und Co. als Gefahr wahr, wenn beispielsweise ein älterer Mann sich als Jugendlicher ausgibt und die Tochter kontaktiert. Die Veranstaltung Ende Juni will informieren, die Verunsicherung ansprechen und Lösungsansätze bieten - wobei es keine Patentrezepte gibt. Und wenn Eltern Stress haben, können sie sich an die Erziehungsberatung wenden. Sie ist für Ratsuchende in schwierigen Familiensituationen da.

Wenn es kein Patentrezept für Eltern gibt, haben Sie nicht trotzdem einen wichtigen Tipp?

Es ist wichtig, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben, zu reden, zu verhandeln und Regeln, etwa Smartphonezeiten, aufzustellen. Nicht das „Zutexten“ der Kinder ist gefragt, sondern Feingefühl, klare Entscheidungen - auch mit der Konsequenz, dass der oder die Jugendliche stinksauer ist. Eltern müssen nach den Worten der Experten auch aushalten, dass das Kind dies nicht versteht. Und sie sollten zum Beispiel auch ihr eigenes Medienverhalten überprüfen.

Was ist für die Jugendlichen wichtig?

In der Pubertät spielt die Zugehörigkeit zur Gruppe eine große Rolle. Eltern müssen das wissen, sollten deswegen aber nicht alles erlauben. Manchmal ist es für Jugendliche auch eine Entlastung sagen zu können: „Das hat mein blöder Vater verboten“.

Die offene Veranstaltung „Erziehungsalltag 2016 - schwierige Situationen mit Kindern in der Pubertät besser bewältigen“ findet am Mittwoch, 29. Juni, ab 19 Uhr in der Brüder-Grimm-Gesamtschule Bebra, Am Bünberg 29 (Foyer, 3. Stock) statt. Auch im Kreisteil Hersfeld ist eine solche Veranstaltung geplant.

Kontakt zur Psychologischen Beratungsstelle - Erziehungsberatung in Bad Hersfeld und Bebra über Telefon 06621/14695, Rotenburg über Telefon 06623/42174.

Nachrichten aufs Handy

Der WhatsApp Messenger ist eine mobile Nachrichten-App, also ein Programm fürs Handy, mit dem man über das Internet Nachrichten austauschen kann. Er gehört zu den sozialen Netzwerken. Mit ihm schickt man Text- und Sprachnachrichten sowie Fotos und Videos an einzelne Personen oder auch an eine Gruppe.

So werden zum Beispiel Gruppen mit der Schulklasse, den Freundinnen, der Fußballmannschaft, der Familie und so weiter gebildet. Schreibt jemand in seine Fußballgruppe etwa: „Komme heute nicht zum Training, bin krank“, weiß die gesamte Mannschaft gleich Bescheid. 

Schreiben dann alle aus dem Team „gute Besserung!“, „oh, das tut mir leid“ oder schicken „Blumen in Form eines kleinen Bildchens, Fotos oder auch eine Sprachnachricht, kommen beim Absender entsprechend viele Nachrichten an. Sie werden jeweils mit einem Ton angekündigt, den man aber auch abschalten kann.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare