Landgericht Fulda

Psychiatrie: 42 Jähriger hatte Nachbarn lebensgefährlich verletzt

Fulda. Ohne Reaktion nahm der 42 Jahre alte Angeklagte das Urteil im Landgericht Fulda entgegen: Weil er versucht hatte, einen Nachbarn zu erstechen, und nach Einschätzung des Gerichts weiter Gefahr von ihm ausgeht, wird er in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

Erst nach einer Therapie kann er wieder in Freiheit kommen. Sein Anwalt Jochen Kreissl kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Während der Urteilsbegründung weinte die Mutter, der Vater zitterte. Beim Beschuldigten, der 1994 aus Kasachstan nach Deutschland kam, entwickelte sich seit 2003 eine paranoide Schizophrenie, 2012 begannen Wahnvorstellungen, dass der jetzt 61 Jahre alte Nachbar, der dann zum Opfer wurde, ihn beleidige und ihn als Mörder bezeichne.

Die Schwurgerichtskammer zeigte sich überzeugt, dass der Röhrigshofer im August vergangenen Jahres in seinem Wohnort auf den Nachbarn losging, nachdem ihm dieser ein freundliches "Hallo, wie geht s?" zurief. Der 42-Jährige habe geglaubt eine Beleidigung zu hören, habe den 61-Jährigen geschlagen und getreten und dann mit einem Klappmesser 16 Mal auf ihn eingestochen. "Wer so oft auf einen Menschen einsticht und es auf den Brustkorb abgesehen hat, der hat einen Tötungsvorsatz.", sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter. Allerdings habe der Beschuldigte von sich aus mit den Stichen aufgehört, sodass der Angeklagte nur eine gefährliche Körperverletzung begangen habe, keinen versuchten Totschlag. Das Opfer leidet bis heute unter den Folgen der Tat.

Das Gericht ging davon aus, dass der Beschuldigte schuldunfähig ist: Er leide unter einer chronischen paranoiden Schizophrenie, die mit unkontrollierten Gewaltausbrüchen verbunden ist. Der Mann stelle weiter eine große Gefahr für die Allgemeinheit dar. Deshalb müsse er in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie bleiben. Der Beschuldigte hatte sich bei der Verhandlung nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sein Verteidiger Jochen Kreissl erklärte, er werde in seinem Revisionsantrag darauf verweisen, dass die Kammer seinem Mandanten keinen Tötungsvorsatz unterstellen könne, wenn er wegen seiner Erkrankung vollkommen schuldunfähig war. Er strebe an, sagte Kreissl, dass der 42-Jährige auf Bewährung in Freiheit kommt.

Von Volker Nies

Quelle: HNA

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