Berühmter Hitchcock-Thriller als Puppenspiel im Dorfgemeinschaftshaus

Die Psyche hinter „Psycho“

Begegnung mit Norman Bates: Jörg Bretschneider vom Dresdener Figurentheater spielt und erklärt dazu als Professor „Psycho“. Foto: Vöckel

Erkshausen. Der Mann im weißen Kittel verliert nicht viele Worte über die Geheimnisse der Seele. Das findet „Professor Bretschneider“ (Jörg Bretschneider) vom Dresdener Figurentheater genauso langweilig, wie über die Psyche einer Verkäuferin zu reden, teilt er dem Publikum im Dorfgemeinschaftshaus Erkshausen mit.

Eingeladen wurde er von Verein Lust am Dorf. Seelenforscher Bretschneider beschäftigt sich im Theaterstück „Psycho“ – Thriller mit Puppen frei nach Alfred Hitchcock – mit der Psyche eines Mörders: Norman Bates, Er war ein in geordneten Verhältnissen aufgewachsener junger Mann, einer von vielen. Dennoch wird er zum mehrfachen Mörder.

Wie in der Falle

Die Zuschauer erlebten Norman Bates zunächst als unbeschwerten Winzling im Mutterleib. Oben thront unnahbar der Kopf der Mutter, ihr übergroß herabhängender Busen lockt und bedrängt Mann und Sohn gleichermaßen. Norman fühlt sich wie in einer Falle.

Seine Mutter verbietet ihm, andere Frauen ins Haus zu holen. Als das eines Tages doch geschieht, kommt es zur Katastrophe. Eine junge Frau, die im Motel der Bates’ übernachtet, wird beim Duschen ermordet. Das war die berühmten Szene aus dem Film von Alfred Hitchcock mit Janet Leigh und Anthony Perkins, diesmal nachgestellt mit einer Puppe und dem Puppenspieler.

Jörg Bretschneider kam in dem Theaterstück für Erwachsene fast ohne Worte aus. Der studierte Figurenspieler verstand es, die Zuschauer mit verschiedenen Stimmgeräuschen und eingespielten Filmzitaten zu fesseln. Komische und skurrile Szenen aus der Kindheit wechselten sich mit unheimlichen Traum- und Schattenbildern des heranwachsenden Jungen und späteren Mörders ab. Das alles wurde einfallsreich von dem Figurenspieler und einer Beleuchterin in Szene gesetzt.

Der Psychologe Bretschneider zur Hauptperson im Stück: „Das Ich des Norman Bates war von frühester Kindheit an gespalten. Sein kritisches Stadium begann mit dem Tod des Vaters.“ Als ein neuer Mann in das Leben der Mutter eintritt, begeht er aus Eifersucht einen Doppelmord. Er tötet den Liebhaber und die Mutter.

Sehr oft Mutter

Norman versucht, den Mord zu verdrängen. Er stiehlt die Leiche der Mutter, versteckt sie im Keller und konserviert sie. Statt ihrer wird ein leerer Sarg beerdigt. Norman beginnt nun, für seine Mutter zu sprechen, zu denken und zu leben. Er ist niemals ganz Norman, sehr oft aber ganz Mutter. Die Folge: Wenn eine junge Frau eine starke Anziehungskraft auf ihn ausübt, rebelliert in ihm die mütterliche Seite und tötet. 50 Zuschauer verfolgten das Stück.

Bereits am Nachmittag hatte das Puppenspiel „Das kronkorkenblubbernde Dingsbums“ 70 Kinder angelockt. „Die waren total begeistert“, berichtete Christine Heppe, Vorsitzende des Vereins Lust am Dorf.

Von Herbert Vöckel

Quelle: HNA

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