Fachklasse Technische Zeichner: Kultusministerin begründet Entscheidung

Prügel für die Stärkung

Dieter Franz

Bebra. „Wir stärken die Fläche und müssen uns von Einzelnen dafür auch noch prügeln lassen“, erklärte jetzt Kultusministerin Nicola Beer (FDP) in einer Reaktion auf Kritik des Landtagsabgeordneten Dieter Franz (SPD). Den Plan des Kultusministeriums, keine Technischen Zeichner mehr in Bebra auszubilden, hatte er kürzlich als Entscheidung gegen die Region kritisiert.

Die Ministerin betont, Bebra sei vielmehr trotz geringer Schülerzahlen durch die Neueinrichtung von zwei Landesfachklassen deutlich gestärkt worden. Hintergrund ist die Neuordnung der Berufe des Technischen Systemplaners und des Technischen Produktdesigners im vergangenen Jahr. Die beiden Berufsbilder haben insgesamt fünf Fachrichtungen. In der Grundstufe (erstes Ausbildungsjahr) werden alle fünf gemeinsam unterrichtet, auch in Bebra. Die Produktdesigner Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion, bisher waren das die Technischen Zeichner, werden also im ersten Ausbildungsjahr aus dem ganzen Kreis Hersfeld-Rotenburg und dem Altkreis Eschwege in Bebra beschult. Danach besuchen sie ab dem neuen Schuljahr die Fachstufen in Kassel oder Fulda.

Denn mit dem neuen Schuljahr mussten laut Mitteilung der Kultusministerin die Fachstufenstandorte neu geregelt werden. Nach den Daten des Ministeriums sind im abgelaufenen Schuljahr nur fünf Azubis in dieser Fachrichtung in der Grundstufe beschult worden. Der Wert liege weit unterhalb der erforderlichen Mindestzahl von 15 Azubis für die Einrichtung einer Fachstufe, betont Beer. Bebra sei nicht allein betroffen, auch Frankfurt und Hanau hätten keine solche Fachstufe mehr.

Die Landesregierung stärke Bebra aber mit zwei Landesfachstufen: Neu werden jetzt zwei Fachrichtungen der Systemplaner in Bebra unterrichtet, in sogenannten Landesklassen. 18 Azubis „Systemplaner Metallbautechnik“ reisen dann aus ganz Hessen nach Bebra zur Schule, obwohl nur einer von ihnen aus unserer Region kommt. Auch die Fachrichtung Elektronik wird landesweit nur in Bebra angeboten, von den neun Schülern kommen nur zwei aus der hiesigen Region. Die Landesfachklassen wurden in Bebra angesiedelt, obwohl die Schülerzahlen in Darmstadt wesentlich höher gewesen seien. Trotz geringer Zahlen erhalte man ganz bewusst Fachschulklassen in der Fläche, sagte Ministeriumssprecher Christian Henkes.

Zehn neue Azubis dieses Jahr

Der Bebraer Schulleiter Wolfgang Haas erklärte, die Betriebe müssten sich erst auf die neuen Berufe einstellen. Im neuen Schuljahr erwarte man bereits wieder zehn neue Azubis in der Grundstufe der Produktdesigner Maschinen- und Anlagenkonstruktion (Technische Zeichner). Der Wunsch in Bebra sei es, die Fachstufe zunächst befristet bis 2014 fortzusetzen.

Der Ministeriumssprecher sagte dazu, die neuen Regelungen gelten zunächst bis 2014. Danach werde man weitersehen. Es gebe Begehrlichkeiten im ganzen Land.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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