Prozess: Mann soll Stieftochter 20 Mal vergewaltigt haben

Bebra/Fulda. Weil er in Verdacht steht, seine zur Tatzeit nicht einmal 13 Jahre alte Stieftochter in der gemeinsamen Wohnung in Bebra 20 Mal vergewaltigt zu haben, muss sich seit Mittwoch ein 48 Jahre alter Bauarbeiter vor dem Landgericht Fulda verantworten.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. "Ich sitze unschuldig hier", beteuerte er. Nach der Überzeugung von Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken nutzte der Angeklagte jeweils die Abwesenheit der Mutter, um die Stieftochter in sein Schlafzimmer zu holen und Sex mit ihr zu haben. Vor dem ersten Missbrauch habe er dem Mädchen einen Pornofilm gezeigt.

Die Taten sind nach Angaben der Anklagebehörde von Juli 2002 bis Juni 2006 geschehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Stieftochter acht bis zwölf Jahre alt. Der Mann, der heute in Bayern lebt, ist wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen angeklagt.

Das Mädchen, das heute 19 Jahre alt ist, zeigte die Taten erst im November 2009 an, als sich ihre Mutter und ihr mutmaßlicher Peiniger trennten. Der Angeklagte erklärte, seine Stieftochter habe ihn nur deshalb angezeigt, weil er ihre jüngere Schwester bevorzugt und sie selbst streng erzogen habe, und weil sich die Stieftochter und er ständig gestritten hätten - auch darüber, dass er ihr verbot, ein Haustier zu besitzen.

Die Anzeige sei zu einem Zeitpunkt gekommen, als sich die Eheleute in einem längeren Hin und Her voneinander trennten und aus Sicht der Tochter die Gefahr bestanden habe, dass der Ehemann in die Familie seiner Frau zurückkehrt.

Am ersten Verhandlungstag wurde deutlich, dass die Familie in Bebra in schwierigen Verhältnissen lebte. Die Eltern bezogen Hartz-IV, zwischen Bad Hersfeld und Bebra zogen sie im Eineinhalb-Jahres-Rhythmus um, da sie die Miete nicht zahlen konnten. Der in Serbien aufgewachsene Angeklagte war 1995 nach Deutschland gekommen. 1997 heiratete er die Frau, die bis dahin mit seinem Bruder verheiratet gewesen war.

Von Volker Nies

Quelle: HNA

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