Sportler und Politiker bei der Kundgebung der Kanuverbände: „Salz muss raus!“

Protestler paddeln im Kanu

Richtung Norden: Die Kanuten ließen in Gerstungen ihre Boote zu Wasser. Die Idylle täuscht – es ging um eine Protestaktion. Foto: Apel

GERSTUNGEN. Das Motto war zugkräftig, das Wetter bestens und die Beteiligung gut. Einmal mehr machten am 1. Mai Kanusportler aus ganz Deutschland, ganz normale und ganz besonders engagierte Menschen aus dem Werratal, bei ihrer Protestkundgebung in Gerstungen deutlich, dass nach Lösungen gesucht werden muss, die das weitere Einleiten von Kalilauge in die Werra und das Verpressen von Salzabwässern überflüssig machen.

Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung als Schirmherr der Veranstaltung begrüßte die mit etwa 100 Booten angereisten Kanuten und die weiteren Demonstranten im Feuerwehrgerätehaus an der Werrabrücke. Er kritisierte die Politik der Kali + Salz AG, die dazu führe, dass die Anlieger von Werra und Weser die umweltschädigenden und finanziellen Nachteile aufgebürdet bekomme, „während die Gewinne unter relativ wenigen Begünstigten aufgeteilt werden“.

Auch mit der „Unternehmenshörigkeit“ einiger Politiker und Behördenvertreter ging er scharf ins Gericht. Ihnen gehe es vor allem darum, „den praktizierten Umweltfrevel zu legalisieren“ und die Kritiker als Arbeitsplatzvernichter darzustellen.

Weitere Redner waren der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch, der einen Interessenausgleich und eine Veränderung des „bislang völlig intransparenten Bergrechts“ forderte, die Grünen-Landtagsabgeordneten Tanja Sigismund und Sigrid Erfurth, der Vorsitzende des Umweltausschusses im Thüringer Landtag, Thilo Kummer (Linke), und der Vizepräsident Freizeitsport des Deutschen Kanuverbandes, Hermann Thiebes. Erfurth charakterisierte Gerstungen als „kleines gallisches Dorf“, in dem der Widerstand lebe, und in dem sowohl für die Arbeitsplätze als auch für die Zukunft der Kinder gekämpft werde.

Klaus Reinhardt von der Bürgerinitiative „Für ein liebenswertes Werratal“ warf der Kali + Salz AG vor, darauf zu setzen, dass die Nordsee-Pipeline letztendlich nicht gebaut werde, und auf Zeit zu spielen. Auch er kritisierte die „Kumpanei“ der Entscheidungsträger: „Sie – und nicht wir von der BI – sind es, die Arbeitsplätze gefährden, anstatt Verantwortung für eine nachhaltige Kaliproduktion zum Schutz unserer Lebensgrundlagen zu übernehmen!“ Unter großem Beifall setzte er dann mit zwei Helfern das erste Kanu auf die Werra, dem sich nach und nach die weiteren Boote „in Richtung Nordsee“ anschlossen.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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