Montagsinterview: Polizeichef Klaus Wittich über Straftaten im Landkreis

„Prävention trägt Früchte“

Hersfeld-Rotenburg. Ende Juni ist im Ludwigsauer Ortsteil Meckbach ein 67-jähriger Mann gewaltsam getötet worden. Bei solch schweren Verbrechen rückt immer auch die Arbeit der Polizei in den Fokus der Öffentlichkeit. Wir sprachen darüber mit dem Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg, Kriminaldirektor Klaus Wittich.

Das Familiendrama von Rotensee, der tödliche Streit in Kirchheim, die Messerstiche im Zellersgrund, der Obdachlosen-Mord in Bad Hersfeld, der Enkel-Mord in Bebra, die Bluttat vom Frauenberg und zuletzt das Familiendrama von Meckbach – leben wir in einem gefährlichen Landkreis?

Klaus Wittich: Tötungsdelikte stehen natürlich immer im Fokus der Öffentlichkeit. Letztendlich sind es Zufälle, die zwischen einer gefährlichen Körperverletzung und einem Tötungsdelikt entscheiden. Ein Messerstich kann in den Arm gehen; in Brust oder Rücken kann er auch tödlich enden. Das hat aber nichts mit der Region zu tun.

Aber solche Fälle scheinen sich zu häufen...

Wittich: Nach dem Kannibalen von Rotenburg hatten wir ja acht Jahre lang überhaupt keine Tötungsdelikte. Natürlich kommt es immer wieder zu solchen Taten. Alle genannten sind ja in kürzester Zeit aufgeklärt worden. Zum Thema Frauenberg kann ich nichts sagen, weil die Ermittlungen noch laufen.

Wie verarbeitet man als Polizist so unschöne Erlebnisse?

Wittich: Wir haben mittlerweile soziale Ansprechpartner. Es gibt einen für die Bundesrepublik beispielhaften Zentralpsychologischen Dienst, der bei Bedarf zur Verfügung steht. Aber auch durch die Notfallseelsorge haben wir einen Rückhalt. Wir als Vorgesetzte müssen mit unseren Leuten reden, um zu erkennen, ob Handlungsbedarf besteht.

Verfolgten Sie bei „Ihren“ Fällen eigentlich den Ausgang der Gerichtsverfahren?

Wittich: Zu jedem Delikt, mit dem wir zu tun hatten, bekommen wir von der Staatsanwaltschaft eine Mitteilung, wie es ausgegangen ist. Bei Gerichtsverfahren müssen wir auch als Zeugen auftreten.

Und ärgert man sich manchmal, dass ein „alter Bekannter“ wieder mit einem blauen Auge davongekommen ist?

Wittich: Nein. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Die Staatsanwaltschaft ist die Herrin des Ermittlungsverfahrens. Wir kennen unsere Pappenheimer. Die werden alle ihrer gerechten Strafe zugeführt.

In jüngster Zeit häufen sich Schockanrufe, Raubüberfälle und Einbrüche. Ist unser Landkreis mit der Autobahn als schnellem Fluchtweg da besonders gefährdet?

Wittich: Der Kreis liegt in der Mitte Europas. Wir haben natürlich mit reisenden Tätern zu tun. Gerade die Schockanrufe kommen aber auch in anderen Gegenden vor. Unsere Präventionsarbeit trägt Früchte, sodass es jüngst nicht zur Vollendung der Tat gekommen ist.

Sehen Sie die Polizei im Landkreis für die Herausforderungen personell gut aufgestellt?

Wittich: In den vergangenen drei Jahren wurden die Stellen aufgestockt. Natürlich haben wir auch zusätzliche Aufgaben bekommen. Zum Beispiel Basu 21, ein Präventionsprogramm für jugendliche Straftäter.

Nicht selten hört man ja, dass die Polizei erst zu spät etwas unternommen habe. Sind manche Taten nicht vorhersehbar?

Wittich: Dann wären wir Hellseher. Ich würde mir wünschen, dass die Bürger uns unterstützen. Denn sie sind für uns als Polizei wie Augen und Ohren. Wenn bei uns ein Notruf oder Hinweis eingeht, dann gehen wir dem natürlich nach.

Es gab Pläne der Bürgermeister, alle Kirmesveranstaltungen einheitlich auf 3 Uhr zu begrenzen. Wie stehen Sie dazu?

Wittich: Eine einheitliche Regelung wäre wünschenswert. Insbesondere zu den frühen Morgenstunden ist es immer wieder zu Sachbeschädigung und Körperverletzung gekommen. Da sollte ja nichts Neues eingeführt werden. Jeder Bürgermeister kann die Sperrzeiten festlegen. Wir als Polizei sind neben anderen Behörden für die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zuständig. Warum soll nicht auch hier möglich sein, was in anderen Kreisen funktioniert? Es geht insbesondere um die Verantwortung des Veranstalters. Der Jugendschutz- und Präventionsgedanke kam in dieser Diskussion viel zu kurz.

Sind Übergriffe auf Polizeibeamte auch bei uns ein Problem?

Wittich: Für den normalen Bürger sind wir sicherlich der Freund und Helfer. Mit Straftätern oder alkoholisierten Personen haben wir jedoch manchmal Schwierigkeiten. In diesem Zusammenhang ist Gewalt gegen Polizeibeamte durchaus ein Thema. Dann müssen wir oft Widerstände beklagen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Quelle: HNA

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