Der Postmann klingelt (fast) nie

In Wüstefeld kommt die Post manchmal erst nach acht Tagen

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Kasten leer, Kasten voll: Viel zu häufig findet Manuel Stück aus Wüstefeld seinen Briefkasten morgens wie auf dem Bild vor. Ein-, höchstens zweimal pro Woche ist tatsächlich Post im Kasten, berichtet der Wüstefelder.

Wüstefeld. Der allmorgendliche Weg zum Briefkasten neben der Tür, er endet für Manuel Stück gar zu oft im Frust. Gähnende Leere im hölzernen Kasten ist die Regel - und das seit Jahresbeginn, berichtet der Wüstefelder. Manchmal kommt erst nach acht Tagen die Post.

Sechs Menschen wohnen in dem Haus im kleinen Rotenburger Stadtteil, fünf Kilometer von der Kernstadt entfernt. Neben Manuel Stück sind das seine Schwester, sein Bruder, seine Schwägerin und seine Eltern. Sie haben einen landwirtschaftlichen Betrieb und einen Reitstall.

Und sie bekommen, wie Manuel Stück betont, regelmäßig und auch nicht zu knapp Post. „Tage, an denen für niemanden von uns etwas kommt, gibt es praktisch nicht“, sagt er. Trotzdem: Seit Januar ist nur alle drei bis vier Tage etwas im Kasten, kürzlich blieb die Post eine Woche lang aus. „Wir haben auch kein Postauto im Ort gesehen in dieser Zeit“, ist sich Manuel Stück sicher, der sich auch im Nachbardorf Atzelrode umgehört hat. „Dort habe ich von mehreren Leuten gehört, dass es dieselben Probleme gibt.“

Denn ein Problem und Ärgernis ist es: Geschäftliche Post kommt verspätet, Rechnungen werden zu spät zugestellt, Fristen verstreichen - „wie schnell hat man eine Mahnung am Hals“, weiß Stück. Und außerdem: Was er bei Online-Kaufhäusern bestellt hat, kommt auch nicht an Land - „die Ostergeschenke zum Beispiel“. Montags komme ohnehin nie Post, aber auch dienstags zugestellte Sendungen trügen oft genug einen Stempel vom Mittwoch oder Donnerstag der vorhergehenden Woche. Und dass etwa ein als Vertretung eingesetzter Zusteller das Haus der Stücks am Rand des kleinen Orts nicht finde, könne auch nicht sein. Denn die Probleme hat Stück ja schon seit Jahresbeginn.

Manuel Stück geht es schon nicht mehr darum, jeden Tag die Post zugestellt zu bekommen. Er wäre auch bereit, die Post irgendwo in der Nähe - etwa in Rotenburg - abzuholen, wenn er sie dafür pünktlich und regelmäßig in den Händen hielte.

Von Rainer Henkel

Quelle: HNA

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