Polen informierten sich in ehemaliger Alheimer Kaserne über Flüchtlingsfragen

Im Gespräch: Das syrische Flüchtlingsmädchen Rama erzählt Thomas Baader, der polnischen Dolmetscherin und den beiden Landräten Dr. Michael Koch und Marian Janicki (von links, hier mit anderen Flüchtlingen), dass sie später Lehrerin werden will. Foto: Struthoff

Rotenburg/Bebra. In nahezu akzentfreiem Deutsch begrüßt die zehnjährige Rama die Besucher aus Polen. Seit acht Monaten lebt das syrische Flüchtlingsmädchen in der Alheimer Kaserne in Rotenburg und lernt fleißig unsere Sprache.

Als sie hört, dass gleich zwei Mitglieder der kleinen polnischen Besuchergruppe Lehrer sind, strahlt sie noch mehr: „Ich gehe gern zur Schule, denn ich will später auch Lehrerin werden“, erzählt sie.

Die Begegnung mit den Flüchtlingen ist der Höhepunkt des Informationsbesuchs von Landrat Marian Janicki aus dem polnischen Partnerlandkreis Dzialdowski in Rotenburg. Der Besuch wurde vereinbart, als Landrat Dr. Michael Koch Anfang September mit einer Delegation aus Hersfeld-Rotenburg in der Kreisstadt Dzialdowo war. Obwohl Polen bislang keine Flüchtlinge aufnimmt, möchte Landrat Janicki gerüstet sein und nutzt seinen Besuch zum Jubiläum der Ulli-Meiß-Chöre für einen Abstecher nach Rotenburg.

Ambulanz wird ausgebaut

Thomas Baader, der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung in Rotenburg, führt die polnischen Gäste persönlich herum und beantwortet geduldig alle Fragen der Besucher. Zurzeit leben 430 Flüchtlinge in der Alheimer Kaserne, doch schon Ende des Monats sollen es rund 800 sein. Wegen der exzellenten Wohnmöglichkeiten soll die Einrichtung künftig vor allem für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge wie etwa Behinderte oder Verletzte genutzt werden. „Deshalb wird auch die medizinische Ambulanz in der Kaserne vergrößert, um diesem Bedarf gerecht zu werden“, erklärt Baader.

„In Rotenburg funktioniert alles so gut, weil Bürgermeister Grunwald, die Stadt, der Kreis und die Erstaufnahmeeinrichtung eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten“, erklärt Landrat Koch seinem Amtskollegen und kritisiert die viel zu lange Bearbeitungszeit für Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration.

Nach dem Besuch in Rotenburg steht noch ein Besuch in der Notaufnahme im früheren Toom-Baumarkt in Bebra auf dem Programm. Dort erläutern Jörg Göbel vom Katastrophenschutz des Landkreises und Objektleiterin Dana Rygula - selbst eine gebürtige Polin - wie die Notunterkunft in nur fünf Wochen aufgebaut wurde.

Landrat Marian Janicki ist beeindruckt. „Auch wir Polen müssen uns diesem Problem stellen.“ Es habe bereits Anfragen der Landesbehörden gegeben, ob sein Kreis bis zu 200 Flüchtlinge aufnehmen könnte. Allerdings fehlten noch klare Vorgaben und Regelungen. „Wenn Flüchtlinge kommen, werden wir sie empfangen und dabei lernen“, sagt Janicki.

Doch damit ist der Kreis Dzialdowski nicht ganz allein. Landrat Koch bietet den polnischen Freunden an, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn Polen seine starre Haltung in der Flüchtlingsfrage doch aufgeben sollte.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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