Gedenkstätte erinnert an deutsche Teilung

"Point Alpha bleibt aktuell": Interview mit der neuen Direktorin Ricarda Steinbach

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Sie übernimmt auf Point Alpha das Kommando: Ricarda Steinbach ist neue Direktorin der Gedenkstätte zwischen Rasdorf und Geisa.

Geisa/Rasdorf. Die 45-jährige Berlinerin Ricarda Steinbach ist neue Direktorin der Point-Alpha-Stiftung. Über ihre Pläne für die Gedenkstätte im Kreis Fulda, die an den Kalten Krieg und die deutsche Teilung erinnert, sprach mit ihr Kai A. Struthoff.

Frau Steinbach, wo waren Sie am 9. November 1989? 
Ricarda Steinbach: Na, selbstverständlich in Berlin und zwar auf der Straße des 17. Juni, die direkt zum Brandenburger Tor führt. Dort habe ich die Wiedervereinigung gefeiert.

Sie waren damals erst 18 Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie noch an die DDR?

Steinbach: Ich bin gebürtige Berlinerin und in Spandau direkt an der Mauer groß geworden. Die Mauer war immer da, sie war immer präsent. Grenze hieß damals als Kind für mich immer leise zu sein.

Das alles ist über 25 Jahre her. Brauchen wir eigentlich noch eine Gedenkstätte wie Point Alpha?

Steinbach: Auf jeden Fall, denn wir müssen immer wieder aufs Neue darüber nachdenken, was heute Demokratie bedeutet. Die Wahlbeteiligung nimmt ab. Die Rufe nach neuen Grenzen innerhalb Europas werden lauter. Deshalb ist eine solche Gedenkstätte auch heute noch zeitgemäß. Denn Point Alpha steht dafür, dass Grenzen überwunden worden sind.

Sie haben zuvor als Tourismus- und Wirtschaftsförderin in Delitzsch in Sachsen gearbeitet. Das ist schon etwas anderes als die Arbeit auf Point Alpha. Was reizt Sie an dem Job hier?

Steinbach: Die Inhalte von Point Alpha sind mir nicht fremd. Es gibt drei Säulen: die Stiftung, die Akademie und die Gedenkstätte. In der Wirtschaftsförderung habe ich gelernt, was es heißt, Geld zu akquirieren, Kontakte zu aufzubauen, Netzwerke zu pflegen. Das ist notwendig für die Stiftung. Bei der Akademie kommt mir meine frühere Arbeit in Hamburg am internationalen Institut für Politik zu Gute – dort war mein Schwerpunkt die Sicherheitspolitik. Aus der Tourismusförderung kenne ich das Marketing, die Arbeit mit Besucherzahlen, all das ist nützlich für die Gedenkstätte.

Zur Person

Ricarda Steinbach (45) ist im West-Berliner Stadtteil Spandau geboren. Die Politikwissenschaftlerin hat in München und Potsdam studiert und sich dabei vor allem mit Fragen der Internationalen Beziehungen beschäftigt. An der Führungsakademie der Bundeswehr und am Internationalen Institut für Politik und Wirtschaft „HAUS RISSEN“ in Hamburg war Sicherheitspolitik ihr Thema. Zuletzt war Steinbach als Referatsleiterin für Wirtschaftsförderung und Tourismus, sowie als Referentin für Politik und Wirtschaft im sächsischen Delitzsch tätig. Sie hat zwei Kinder mit denen sie jetzt in Fulda lebt. In ihrer Freizeit malt Steinbach, liest und treibt gern Sport. Sie ist Fechterin. Außerdem ist Steinbach ist auch bei den Rotariern aktiv. (Kai)

Außerdem sind Sie Oberstleutnant. Das finde ich sehr ungewöhnlich für eine Frau aus West-Berlin, wo es ja keine Wehrpflicht gab. Wie kam es dazu? 

Steinbach: Ganz simpel: Ich habe mein studienbegleitendes Praktikum als Politikwissenschaftlerin an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg absolviert, und seitdem bin ich mit den Streitkräften verbunden. Ich bin als Spezialist Zivilmilitärische Zusammenarbeit Ausland ausgebildet worden. Man lernt dabei das Gefechtsfeld kennen und muss auch wissen, welche Herausforderungen die Landesverteidigung und die Krisenbewältigung für die deutschen Streitkräfte mit sich bringt.

Was sind Ihre Ziele für die Point Alpha Stiftung? 

Steinbach: Wichtig ist es, die Inhalte der Gedenkstätte zeitgemäß zu besetzen. Als Politikwissenschaftlerin weiß ich, wie Zeit zu interpretieren ist und kann auch neue Themen mit Point Alpha in Verbindung zu bringen. Wir müssen junge Menschen, die als Multiplikatoren wichtig sind, in ihrer Betroffenheit abholen. Außerdem will ich die Stiftung als guter Haushälter und Kaufmann begleiten.

Stiftungen leiden unter der Niedrigzinspolitik. Wie ist Point Alpha aufgestellt?

Steinbach: Point Alpha geht es gut, wegen der guten Kooperation und der guten Beteiligungen. Trotzdem müssen wir natürlich immer auch mit Augenmaß arbeiten.

Werden Sie persönlich eine Grenzgängerin, eine Berufspendlerin bleiben, oder ziehen Sie in die Region?  Steinbach: Ich bin schon mit meinen beiden Kindern nach Fulda gezogen. Ich wohne damit in Hessen, das ist für mich mein bisher 14. Bundesland und ich arbeite in meinem 13. – in Thüringen.

Quelle: HNA

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