Sozialplan soll erarbeitet werden

Philippsthaler Folienhersteller RKW steht vor dem Aus

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Röhrigshof. Der Philippsthaler Folienhersteller RKW Agri steht vor dem Aus. Standortleiter Heinz-Jürgen Kipke wollte sich am Samstagmittg am Telefon nicht zu den Gründen äußern.

Er müsse sich erst mit der Konzernleitung abstimmen, denn das 1969 als Werra Plastic gegründete Philippsthaler Unternehmen gehört seit 2006 zur RKW Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Frankenthal. Erst für Montag wurde eine Stellungnahme seitens der Geschäftsleitung angekündigt. Die Belegschaft in Philippsthal - etwas mehr als 100 Beschäftigte - wurde am Freitag über des Firmenende informiert.

Auch Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth zeigte sich völlig überrascht. „Ich weiß eigentlich überhaupt nichts. Ich bin von Mitarbeitern in Kenntnis gesetzt worden. Ich könnte jetzt auch nur spekulieren.“ Für Sonntagnachmittag 15 Uhr hat der Bürgermeister sämtliche politische Gremien zusammengerufen, um den Austausch untereinander zu forcieren. Zur aktuellen Situation um RKW in seiner Gemeinde sagte Orth nur vier Worte: „Ich bin sehr bestürzt!“

Aus den Reihen der Mitarbeiter, die nicht öffentlich in Erscheinung treten möchten, hieß es nur, dass die Abwicklung des Unternehmens in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat vollzogen werden solle.

Für Heiko Diel, den Betriebsratsvorsitzenden, sei das Ende der RKW Agri jetzt zwar abrupt mitgeteilt worden, wohl aber durch den Vorstand an der Konzernspitze von langer Hand geplant gewesen.

So wurde für den Standort in Philippsthal die europäische Rechtsform verlassen und eine GmbH Co. KG installiert. Genauer gesagt: Aus der RKW SE wurde am 1. Januar 2014 die RKW Agri GmbH und Co. KG.

In diesem Sektor der Agrarfolie arbeiten mittlerweile vier Werke der Gruppe. Die bestehenden Altwerke in Michelstadt und Philippsthal sowie die 2014 durch die Gruppe übernommenen Werke in Hoogstraten (Belgien) und Unseburg (Sachsen-Anhalt). Gerade der Standort in Unseburg sei auslastungstechnisch recht schwach auf der Brust. Dort sei aber der Maschinenpark rund zwanzig Jahre jünger, als der in Philippsthal. Und sicherlich gebe es auch nach wie vor ein doch erhebliches Lohngefälle zwischen West und Ost, nennt Betriebsratsvorsitzender Diel mögliche Gründe für die unumstößliche Schließung des Werks in Philippsthal.

Diel trifft sich am Montag mit seinen Betriebsratskollegen, um einen Anwalt einzuschalten und die Gewerkschaft zu informieren. Denn nun müsse ein Sozialplan zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat ausgearbeitet werden.

Im Dezember wird es bei RKW in Philippsthal ohnehin still. Dann wird die Produktion zurückgefahren und es beginnt die Zeit des üblichen Weihnachtsstillstands. Ob dann mit Beginn des neuen Jahres die Maschinen überhaupt noch einmal hochgefahren werden, bleibt offen.

Quelle: HNA

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