Pferde enden als Fleisch oder Mehl

Wegbegleiter des Menschen: Einigen Reitern ist es lieber, ihr Tier wird geschlachtet, als dass es in der Tierbeseitigungsanlage endet. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Es fällt Renate Kohrock, Mitglied des Hessischen Reit- und Fahrverbands und des Reit- und Fahrvereins Richelsdorf, schwer, über Glondyk zu sprechen, das Pferd ihres Sohnes.

Glondyk war ein erfolgreiches Turnierpferd, sogar zweimaliger Europameister. Zehn Jahre bekam es dann sein Gnadenbrot. Im November des vergangenen Jahres sah Kohrock dem Tier an, dass ihm das Leben schwerer fiel. Im Dezember begleitete ihr Mann Glondyk auf seiner letzten Reise nach Heuchelheim bei Gießen zum Schlachter Harald Simon, ein Neffe des Springreiters Hugo Simon.

„Ich könnte es nicht ertragen, wenn unsere Pferde in die Tierkörperbeseitigungsanlage kämen“, sagt Kohrock. Sie habe schon Pferde gesehen, die minutenlang mit dem Tod rangen, als sie eingeschläfert wurden. Beim Schlachter fällt das Pferd sofort und merkt nichts, sagt sie.

Trotzdem muss jeder Pferdebesitzer für sich selbst entscheiden, wie er sich von seinem Tier verabschiedet, betont Kohrock. In der eigenen Schlachterei und Viehgroßhandlung mit Sitz in Richelsdorf werden keine Pferde geschlachtet. Auch Pferdefleisch isst Renate Kohrock nicht: Dann hätte sie immer ihre eigenen Tiere vor Augen.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden in den vergangenen zehn Jahren nach amtlicher Kenntnis keine Pferde geschlachtet - weder gewerblich noch bei Hausschlachtungen - sagt Dr. Sabine Wenthe vom Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises.

Pferdebesitzer müssten sich schon früh mit dem Tod ihres Tieres auseinandersetzen: „Jedes Pferd muss einen Equidenpass als lebenslanges Begleitdokument haben“, sagt Wenthe. Darin wird eingetragen, ob das Pferd geschlachtet werden soll. Entscheidet der Pferdebesitzer sich für die Schlachtung, darf das Pferd bestimmte Medikamente nicht bekommen. Trotz Eintrag im sogenannten Equidenpass kann der Halter sich jederzeit auch gegen das Schlachten seines Tieres entscheiden.

Fett- und cholesterinarm

Die Schlachtung von Pferden sei ähnlich der von Rindern, sagt Wenthe. Das Pferd werde mit einem Bolzenschussgerät betäubt und anschließend geschlachtet. Danach findet eine Fleischuntersuchung statt - ist das Fleisch gut, kann es gegessen werden. Es werde an Pferdemetzgereien geliefert oder an Tiere, etwa im Zoo, verfüttert, erklärt Harald Simon.

Der Fettgehalt von Pferdefleisch liegt bei zwei bis vier Prozent. Damit hat es nur ungefähr ein Drittel so viel Fett wie Schweinefleisch und halb so viel wie Rindfleisch. Zudem ist es cholesterinarm und reich an Calcium.

Eingeschläferte oder eines natürlichen Todes gestorbene Tiere kommen zunächst in die Tiersammelstelle nach Fritzlar und dann in die Tierbeseitigungsanlage nach Rivenich (Rheinland-Pfalz). Dort werden die Körper zu Mehl verarbeitet und dieses verbrannt. (sas)

Quelle: HNA

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