Pfarrer Winfried Schiel verlässt nach 22 Jahren Wildeck

Abschied mit Wehmut: Pfarrer Winfried Schiel verlässt die Wildecker Gemeinde, um Diakoniepfarrer der Kirchenkreise Wolfhagen und Hofgeismar zu werden. Foto: Apel

Bosserode. Der heutige Donnerstag ist Pfarrer Winfried Schiels letzter Diensttag in der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Wildeck. Und auch am Ende seiner Dienstzeit wird er in „seinen“ Gemeinden sicherlich noch einmal ermutigende und in die Zukunft weisende Worte finden.

Denn schon bei der offiziellen Verabschiedung schrieben ihm die Raßdorfer Kirchenvorsteher „ins Stammbuch“: „Du kennst alle Familien und Du weißt, wo jeder hingehört. Deine schön gestalteten Gottesdienste und Deine zu Herzen gehenden Predigten, die uns Kraft gegeben haben für den Tag und die Woche, werden uns fehlen!“ Kann es ein schöneres Kompliment geben für einen Hirten, als dass ihm bescheinigt wird, sich über 22 Jahre lang gut und intensiv um seine „Schäfchen“ gekümmert zu haben?

Studium gewechselt

Als der aus Oberfranken stammende 56-jährige Schneidermeistersohn nach Abitur und Wehrdienst in Bamberg ein Studium der katholischen Theologie begann („Ich wollte Theologie studieren, aber nicht Priester werden!“), war sein Lebensweg alles andere als vorgezeichnet. Letztendlich sollte er nach einem längeren Entwicklungsprozess, den Universitätsstationen Gießen und Marburg sowie des Vikariats in Mengeringhausen, in Richtung evangelisches Pfarramt verlaufen. „Gehen Sie mal nach Bosserode, das ist eine schöne Pfarrstelle!“, sagte ihm Prälat Erhard Giesler, als er den jungen Theologen nach der Ordination Ende April 1993 „auf die Reise“ schickte.

In der Muttergemeinde fand Schiel einen Spielkreis vor und in Hönebach einen Kindergarten. Beide Einrichtungen baute er in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde aus, denn die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lag dem gerne Gitarre spielenden Geistlichen immer am Herzen: „Wir müssen die Eltern unterstützen, dass sie ihr Taufversprechen erfüllen können!“ Aber er brachte noch mehr auf den Weg: die Pfadfinderarbeit, die gemeindliche Jugendarbeit („Man muss mit den jungen Leuten reden, dann begegnen sie einem auch sehr offen!“), den Neubau der Raßdorfer Kirche und des Bosseröder Hauses der Generationen, die Sanierung der Bosseröder Kirche sowie der Kirchtürme in Bosserode und Hönebach.

Im Rückblick unterstreicht Schiel, dass er das, was er getan hat, immer im Vertrauen auf die Hilfe Gottes und die Unterstützung der „total motivierten“ Kirchenvorstandsmitglieder gewagt hat. Gesehen hat er sich - wie sein Vorbild Martin Luther - als Christenmensch als freier Mensch, zugleich aber auch als Diener aller anderen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ihn „seine“ Wildecker geschätzt haben und dass Winfried Schiel und Ehefrau Ruth („In Bosserode habe ich gemerkt, dass Pfarrfrau mein Traumberuf ist!“) eine wirkliche Heimat gefunden hatten, die sie nur ungern verlassen.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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