Im Winter eiskalt, im Sommer überhitzt

Pendler machen Front gegen unzumutbare IC-Wagen

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Möchten einen IC nach Frankfurt, der seinen Namen zu recht trägt: stellvertretend für viele andere Pendler von links Franziska Gießler, Michael Boley, Daniela Witzel, Cörten Sedef und Helmut Ressler . Die renovierungsbedürftigen Wagen dienen eigentlich als Ersatz für reguläre IC-Wagen, weshalb der Pendlerzug auch manchmal ausfällt.

Bebra. Abfahrt um 5 Uhr ab Bahnhof Bebra, doch der IC, der Dutzende von Pendlern nach Frankfurt bringen soll, ist nicht in Sicht. Also heißt es: Warten auf den Regionalexpress, 5.22 Uhr ab Gleis 3. Bezahlt haben die Pendler allerdings die Monats- oder Jahreskarte für den teureren IC.

Fährt der IC 1950 laut Fahrplan ab, steigen die Pedler in einen umlackierten ehemaligen Interregiozug, der die Nacht über am Bahnsteig gestanden hat. In den Wagen riecht es unangenehm. Da sie teilweise nachts unverschlossen stehen, dienen sie auch als Schlafstätte für Menschen ohne Obdach.

Im Winter sind die Abteile eiskalt, die Heizungen funktionieren entweder gar nicht oder heizen mit voller Kraft, von einer Klimanlage können die Pendler nur träumen. „Wir Pendler sind der Bahn doch völlig gleichgültig“ - so ist der einmütige Tenor mehrerer Betroffener.

Die Sitze sind fleckig und durchgesessen, teils sitzen die Fahrgäste bis Frankfurt 102 Minuten auf dem Metall, für die Beine ist kaum Platz, Rückenlehnen sind nicht verstellbar und durch die Fenster zieht der Fahrtwind.

Die Zustände sind eine Zumutung, die Pendler sehen ihre Gesundheit gefährdet. 40 Grad Celsius ist in den Waggons im Sommer keine Seltenheit, wenn der Zug vor der Rückfahrt Richtung Bebra den ganzen Tag in Frankfurt in der Sonne gestanden hat. Dann werden die Fenster aufgerissen, damit überhaupt Luft in die Abteile kommt. Erkältungen und Rückenprobleme sind die Folge. Im Winter dagegen ist es morgens oft bis Fulda kalt in den Wagen. Manchmal so kalt, dass der Zugbegleiter die entsprechenden Waggons sperrt.

Spätestens ab Fulda sind die Abteile so voll, dass viele Pendler - die treuesten Kunden der Bahn - stehen müssen. Die Toiletten: „Lieber nicht“, sagen die Zugfahrer. Sie seien oft verschmutzt, in einer tropfe es von oben, andere seien defekt und deshalb ganz geschlossen. Dazu kommt der Lärm von um die 80 Dezibel. Zu laut, zu leise oder defekt sind auch die Lautsprecher, weshalb sich die Pendler schlecht informiert fühlen.

Michael Boley (Königswald) und Franziska Gießler (Bebra) und viele andere wollen den Zustand der Wagen nicht mehr hinnehmen. Sie zahlen stolze 269 Euro pro Monat für die Zugfahrkarten. Dazu kommt noch die Anfahrt mit den eigenen Autos, Zugverspätungen und die lange Fahrzeit.

So überlegt Cörten Sedef aus Datterode (Eschwege), Vater von zwei Kindern im Alter von sieben Monaten und zwei Jahren, mit seiner Familie nach Frankfurt zu ziehen. Acht Stunden muss er innerhalb von zwei Wochen nacharbeiten, weil der Zug ausfiel oder nicht pünktlich fuhr. Wenn er deshalb erst um 21 Uhr nach Hause kommt, schlafen seine Kinder längst.

Weil die Pendler in dem IC ihre Gesundheit gefährdet sehen, haben sie zusammen mit anderen, die in Hünfeld aktiv wurden, Briefe an die Bürgermeister, Landräte und Abgeordneten entlang der Fahrstrecke geschrieben. (ank)

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Quelle: HNA

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