Von den Problemen, vor denen angehende Eltern stehen

Suche nach dem passenden Namen: Paula ist einfach schön

Vater, Tochter, Buch: Redakteur Marcus Janz mit Tochter Paula und dem dicken Vornamen-Lexikon. Foto: Glebocki/nh

Rotenburg. Wer ein Kind bekommt, muss ihm einen Namen geben. Die einen Eltern wissen seit Jahren, wie ihr Nachwuchs heißen soll, andere tun sich schwer. HNA-Redaktionsleiter Marcus Janz wurde am 1. Februar Vater. Er berichtet, wie die kleine Paula zu ihrem Namen kam.

Über keine Frage haben wir während der Schwangerschaft mehr nachgedacht als über folgende: Wie soll das Kind heißen? Dabei haben es sich meine Freundin und ich noch leicht gemacht. Während andere Paare gleich zwei Namen für Junge und Mädchen suchen, haben wir gewartet, bis klar war, dass wir eine Tochter erwarten.

Vom Namen hängt so viel ab: Worüber machen sich andere Kinder in der Schule lustig? Über den Namen. Worüber ziehen Erwachsene die Augenbraue hoch? Über einen merkwürdigen Namen. Was wird am häufigsten falsch geschrieben? Ein komplizierter oder ungewöhnlicher Name.

Nicht unbedacht

Die Gefahr ist hoch, das Kind mit einem unbedacht gewählten Namen dem Spott preiszugeben. Das muss nicht einmal ein alberner Name sein. Manchmal reicht schon eine unglückliche Kombination aus Vor- und Nachname. Also ich wollte nicht, dass meine Tochter auf einer Internetseite wie http://chantalismus.tumblr.com landet, die „schlimme Namen“ sammeln.

Früher war die Auswahl kleiner. Es ist gar nicht lange her, dass die Standesämter nur Namen aus einer überschaubaren Liste akzeptiert haben. Heute ist fast alles erlaubt. Das „Duden große Vornamen-Lexikon“ enthält allein 17 eng bedruckte Seiten nur mit über 4000 weiblichen Vornamen von Aada bis Zwenna.

„Habt ihr schon einen Namen?“ werden angehenden Eltern am häufigsten gefragt. Zumindest darauf hat uns die lange Liste eine schlagfertige Antwort erlaubt: „Jacaranda Janz oder Germania Glebocki – das hängt noch vom Nachnamen ab.“ Beides hätte zumindest gut geklungen.

Natürlich wusste ich genau, welche Namen ich nicht für unsere Tochter will. Doch den einen, den richtigen Namen zu finden, der sie ein ganzes Leben begleitet, ist ungleich schwerer. Dabei suchte ich nicht einmal einen Namen mit besonderer Bedeutung. Sie soll ihn ja nicht immer in einer Fußnote erläutern müssen.

Liste mit Favoriten

Meine Freundin Martina hatte bald eine Liste ihrer Favoriten erstellt. Allesamt schöne, kurze Namen, von Ada über Emma und Rebecca bis Sally. Ein paar fielen aus, weil Freunde die gleiche Idee hatten. Martina kam immer wieder auf Paula zurück.

Ich selbst hatte noch nicht einmal eine Favoritenliste. „Es ist noch nicht Redaktionsschluss“, hatte ich immer wieder gesagt. Als der Geburtstermin näher rückte, war ich drauf und dran, einen Namen zu wählen. Ehrlich! Doch dann wollte unsere Tochter schneller raus aus Mamis Bauch als gedacht.

Streichliste

Und so saß ich im Kreißsaal. Unsere Tochter war schon eine Stunde auf der Welt, und die Hebamme wollte langsam den Namen eintragen. Das dicke Buch in der einen, den kleinen gelben Zettel mit der Liste der Mutter in der anderen Hand, ging ich die Namen durch. Mit ihren dunklen Haaren sah unsere Tochter einfach nicht wie eine Alba (lateinisch für weiß) aus. So strich ich aus, schrieb Namen dazu.

Am Ende war es einfach. Die eigene Tochter wird nicht besser durch die Wahl des Namens. Sie ist schon perfekt. Alles, was wir brauchten, war nicht der richtige, sondern einfach ein schöner Name. Und Paula ist einfach schön.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

Kommentare