Für Simon Leinweber aus Asbach haben Fußball und Religion viel gemeinsam

Pass kommt vom Pfarrer

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Kickender Pfarrer: Simon Leinweber, evangelischer Geistlicher des Kirchspiels Asbach/Eichhof, will zur WM im kommenden Jahr wieder einen Fußball-Gottesdienst veranstalten.

Asbach. Stadien und Kirchen, Vereinshymnen und Choräle, Parolen und Gebete: Für Simon Leinweber haben Religion und Fußball viel gemeinsam. Leinweber ist einer, der es wissen muss. Nur wenige Menschen im Kreisgebiet dürften sich in beiden Metiers so gut auskennen wir er.

Denn der evangelische Pfarrer des Kirchspiels Asbach/Eichhof ist sowohl mit der Kirche als auch mit dem Fußball groß geworden. Der Sohn einer Pfarrers wurde im niedersächsischen Sulingen bei Oldenburg geboren, verbrachte aber einen Großteil seiner Jugend in Dörnberg in der Gemeinde Habichtswald und später in Baunatal.

Hier, beim großen KSV, kickte er als Kind von der F- bis zur C-Jugend. Er war ein Talent, keine Frage. „Aber irgendwann einmal wurde das Training zuviel“, erzählt er. Er beendete seine Laufbahn im Verein. Ohne den Sport konnte er aber nicht leben. Er begann in einer Hobbymannschaft. Er war einer der Mitbegründer der Fußballmannschaft beim CVJM Kassel, bei der er über 20 Jahre aktiv war. „Eine Woche ohne Fußball ist für mich noch heute nicht vorstellbar“, meint er. Und lacht.

Auch als er nach Abitur an der Wilhelmschule in Kassel, nach kaufmännischer Ausbildung, Studium in Tübingen und Marburg sowie Vikariat in Oberweimar die Pfarrstelle in Asbach antrat, war für ihn nicht Schluss mit der Kickerei.

Ornat und Fußballtrikot schließen sich für ihn nicht aus. Als er zum Amtsantritt im Gemeindebrief sein Hobby verriet, klingelte am nächsten Tag bereits das Telefon. Michael Sandhofen, Spieler bei der Alten Herren des SVA, die in der SG Asbach/Eichhof integriert ist, sprach ihn an und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, bei ihnen mitzumachen.

Deren Motto – Fußball bei den Alten Herren macht Spaß und hält fit – gefiel ihm auf Anhieb. Seitdem kickt er im Mittelfeld direkt hinter den Spitzen mit. Es ist auch schon vorgekommen, dass er in der zweiten Mannschaft in der Kreisoberliga aushelfen musste. Die Teamkollegen sind glücklich über seine Steilpässe. Zwei Tore erzielte er selbst in den Freundschaftsspielbegegnungen in diesem Jahr. „Weil ich Pfarrer bin, muss ich mir sowohl im Training als auch im Spiel oft die lustigsten Sprüche anhören. Zum Beispiel sagen sie beim Torschuss: alles mit Gottes Hilfe passiert“, verrät Leinweber lachend.

Obwohl er ein robuster Spieler sein kann, hat er in all’ den Jahren keine Rote Karte erhalten. „Vor Emotionen ist natürlich auch kein Pfarrer gefeit“, meint der sportbegeisterte Geistliche, der auch Initiator eines Fußball-Gottesdienstes zur Europameisterschaft mit anschließendem Public Viewing war. Zum deutschen Spiel gegen Portugal hielt er eine Predigt mit Fanschal und einem Lied, bei dem sich die Gemeinde mit La Ola auf das anschließende Fußballspiel einstimmen konnte. Aufgeschnittene Fußbälle neben dem Pult erinnerten aber auch an sozialen Konfliktstoff. Schließlich werden die teuren Topbälle der Stars in Kinderarbeit in Billiglohnländer wie Bangladesh oder Pakistan hergestellt.

Dass die Kirche sich in den 80er-Jahren gegenüber dem Fußball geöffnet hat, darüber freut sich der Asbacher Fußball-Pfarrer besonders. „Es ist gut, dass es heute keine Berührungsängste mehr gibt“, sagt Leinweber voller Erleichterung. Das war nicht immer so. Trotz der Titel von 1954 und ‘74 verweigerten sich die Kirchenoberen gegenüber dem Ballsport. Ein bekannter Theologe, Karl Barth, meinte sogar, dass „Fußball zur Verlotterung der Menschen beitrage“.

Spätestens aber zur WM 2006 in Deutschland waren alle Hürden abgebaut. Dass besonders in Asbach der Fußball einen hohen Stellenwert genießt – bei den Heimspielen der ersten Mannschaft ist er so oft es geht dabei – darüber kann er sich besonders freuen. „Kirche und Fußball können hier gut zusammenwirken, um das Leben im Ort zu bereichern“, meint er. Übrigens: Für die WM im kommenden Jahr plant er erneut Gottesdienst und Public Viewing.

Von Hartmut Wenzel

Quelle: HNA

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