Orgel der Obersuhler Kirche wird nach alter Tradition gefertigt

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Ein Rohbau wie Fachwerk: Von vorn wirkt die künftige Orgel in der Obersuhler Kirche sehr schlank. Alte Handwerkskunst ist hier gefragt.

Obersuhl. Das Gehäuse der Orgel auf der Empore sieht aus wie der Rohbau eines kleinen Fachwerkhäuschens. Gedämpftes Klopfen dringt heraus. Rundherum, über die Bänke der Kirche verteilt und sortiert auf Holzpaletten, verteilen sich die Orgelpfeifen.

Es sind Hunderte. Die kleinsten messen nur wenige Zentimeter, die viereckigen, zum Schutz in Folie gewickelten Pfeifen des Bassregisters sind fast fünf Meter lang. In der Obersuhler Kirche entsteht eine neue Orgel.

In ihrem Inneren duftet es süß nach Fichtenholz. Wolfram Wittekind zieht mit einer Zange vorsichtig an einem der vielen Metalldrähte, die eine regelmäßige Struktur bilden. Filigran sind die Glieder der Mechanik, die die Tastenbewegung auf die Ventile der Pfeifen übertragen oder die Tasten der beiden Manuale und der Pedale miteinander koppeln.

Schon einmal aufgebaut

In der pfälzischen Orgelbauwerkstatt von Andreas Schiegnitz war das Instrument bereits einmal komplett aufgebaut. Schiegnitz hat die Orgel extra für die Obersuhler Kirche konzipiert. „Für diese Gemeinde“, sagt er feierlich. Die Orgel nutzt den Raum, indem sie einen Großteil der Pfeifen im hinteren, quaderförmigen Teil versteckt und sich von vorn schlank präsentiert.

Wenn Andreas Schiegnitz das Instrument erklärt, dann schwingt schwärmerische Begeisterung mit in seiner Stimme und im Blick seiner Augen hinter den runden Gläsern einer braunen Hornbrille. Schiegnitz schwärmt von der Jahrhunderte alten Tradition seines Handwerks, dessen Werkstoffe sich gegen moderne Materialien wie Kunststoffe behaupten konnten. Schaf- und Rindslederstücke dichten die Ventile ab. Geeignetes Fichtenholz, erklärt Schiegnitz, wachse nur im Voralpenland. Bei heimischem Holz seien die Jahresringe zumeist unterschiedlich hart, das Holz stehe unter Spannung.

Die meiste Zeit wird die Intonation in Anspruch nehmen. Andreas Schiegnitz wird sich ganz auf sein Gehör verlassen, wenn er den Klang jeder einzelnen Pfeife der Orgel an ihrem neuen Standort in der Obersuhler Kirche testet. Mit Instrumenten, die denen eines Zahnarztes ähneln, wird er zur Regulierung des Klangs das Labium bearbeiten, das Mundstück der Pfeifen. Am 2. Advent soll die Orgel bei einem Festgottesdienst eingeweiht werden.

Quelle: HNA

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