Baujahr 1924

Opel Laubfrosch hat Geburtstag: Ein junger Hüpfer wird 90

Einfach traumhaft: Der Opel Laubfrosch Baujahr 1924 wird in diesem Jahr 90. Die ganze Familie hat viel Freude an ihrem flotten Oldie. Unser Bild zeigt Restaurator Uwe Eckhardt mit Frau Elke und den Söhnen Sven – am Steuer – und René. Alle Fotos: Gottbehüt

Schwarzenhasel. Baujahr 1924 ist der Opel Laubfrosch von Uwe Eckhardt. Über den 90. Geburtstag seines Oldies, der in Rüsselsheim als erstes deutsches Auto am Fließband gebaut wurde, freut sich der Schwarzenhaseler Autoliebhaber mit seiner ganzen Familie.

Wie er so funkelt, in seinem leuchtend grünen Blechkleid, wirkt er frischer als manch modernes Auto. Doch der Opel Laubfrosch von Uwe Eckhardt ist mit seinem Baujahr 1924 sicherlich eines der ältesten Fahrzeuge, das auf den Straßen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg unterwegs sein dürfte. In diesem Jahr feiert der passionierte Schrauber und Opel-Fan den 90. Geburtstag seines Schätzchens.

Dabei ist der Laubfrosch, der bereits 1924 in Rüsselsheim gefertigt wurde, eigentlich trotzdem ein junger Hüpfer. Denn sein zweites Autoleben geschenkt hat ihm der gelernte Werkzeugmacher aus Schwarzenhasel erst vor fünf Jahren. Mitte August 2009 ging Uwe Eckhardt - damals nach zehn Jahren akribischen Restaurierens - auf große Jungfernfahrt mit seinem Schätzchen.

Laubfrosch wird chauffiert 

Seitdem hat der wiederbelebte Senior schon Hunderte von Kilometern abgespult - meist auf Oldtimertreffen in ganz Deutschland, Holland und in Luxemburg. Selbst anreisen muss der Laubfrosch dorthin aber nicht. Zum Transport an die Veranstaltungsorte kommt er auf einen Anhänger und wird chauffiert. Denn Uwe Eckhardt hegt das gute Stück wie seinen Augapfel.

Zehn Jahre Bauzeit 

Schließlich hat es zehn Jahre gedauert, ihn wieder aufzubauen. Mühevoll hat der 54-Jährige, der beruflich in der Einkaufsabteilung von B. Braun in Melsungen arbeitet, ihn in Einzelteilen von befreundeten Opel-Fans und von Teilemärkten zusammengetragen. Das Fahrgestell, einen Eisenrahmen, hat er aus Holland bekommen. „Den hat der Vorbesitzer dort als Wasserwagen genutzt - da war ein Wasserfass für die Landwirtschaft drauf“, erinnert sich Eckhardt.

Nach und nach, so wie er die Teile bekam, diese ausbesserte oder nachbaute, wurde das Auto in seiner Werkstatt in Schwarzenhasel wieder aufgebaut. „Möglich war das nur mit tatkräftiger Unterstützung. Das nimmt so viel Zeit in Anspruch, und man braucht beispielsweise für die Blecharbeiten auch Spezialisten. Das kann man nicht alles selbst machen“, sagt er.

Einer der bewegendsten Momente des Projektes kam im August 2003: die erste Probefahrt. Damals noch ohne Karosserie und Sitzbank - eine Kindersitzschale fürs Auto musste reichen - ließ Eckhardt den Wagen erstmals an. „Ich wollte sehen, ob die alte Technik noch funktioniert und er wirklich läuft“, berichtet der Bastler. Da hätten auch die Nachbarn nicht schlecht gestaunt, als er mit seinem Gefährt um die Ecke kam. Für sein fertiges Schmuckstück ist Uwe Eckhardt vor drei Jahren ausgezeichnet worden. Bei der HNA-Aktion im Kasseler Einkaufszentrum Dez bekam er unter 21 Teilnehmern die meisten Stimmen und den Titel „Bester Schrauber in Nordhessen“. Angesichts der schönen Autos verzeiht ihm auch seine Familie - Udo Eckhardt ist verheiratet und hat zwei Söhne - sein häufig doch sehr zeitaufwendiges Hobby.

HINTERGRUND

Erstes deutsches Fließband-Auto

Damals schon Luxus: Mit einer „Lederpolsterung aus 1a Rindsleder“ warb Opel 1924 bereits um Käufer.

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel führte nach dem Ersten Weltkrieg 1924 als erstes deutsches Unternehmen die Serienfertigung am Fließband ein. Auf Einladung der Adam Opel AG waren Uwe Eckhardt und seine Frau im Herbst 2011 in den alten Montagehallen in Rüsselsheim zu Gast - der Geburtsstätte ihres Laubfroschs. 3900 Goldmark kostete das Fahrzeug zur Markteinführung. Und die Ausstattungsliste lässt einen heute schmunzeln: Mit einem Segeltuchverdeck - vollständig zu schließen -, fünffacher Ballonbereifung und einem Kilometerzähler mit Geschwindigkeitsmesser sowie einem beleuchteten hinteren Nummernschild bewarb der Autobauer dereinst sein Fahrzeug.

Aber in einem war der „Wagen für Jedermann“ - so der Werbeslogan von 1924 - damals schon wegweisend: Der Brennstoffverbrauch für 100 Kilometer lag bei fünf Litern. Neben seinem Laubfrosch hat Uwe Eckhardt noch zwei weitere Oldtimer restauriert und in seinem Besitz. Einen Opel 1,2 Liter Limousine aus dem Jahr 1934 und einen Opel 1,2 Liter Zweisitzer offen Baujahr 1932.

Von Peter Gottbehüt 

Quelle: HNA

Kommentare