Barbara Kniest suchte Familie

Obersuhlerin wurde als Kleinkind zwangsadoptiert

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Auf der Suche nach ihren Wurzeln: Barbara Kniest (rechts) hat drei Halbgeschwister gefunden, von deren Existenz sie nichts ahnte. Aurelia Kiljanska (Mitte) besuchte sie und ihren Ehemann Hans-Karl (links) jetzt erstmals in Obersuhl.

Obersuhl. Ein Brief des Internationalen Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes verändert das Leben von Barbara Kniest aus Obersuhl schlagartig. Sie begibt sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie in Polen. Dabei lernt sie ihre drei Halbgeschwister kennen.

Den Tag, der ihr Leben veränderte, wird Barbara Kniest wohl niemals vergessen: Im Februar dieses Jahres bekam die aus Polen stammende und dort in einer Adoptivfamilie aufgewachsene Obersuhlerin einen Brief vom Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes (ITS) in Bad Arolsen. Er enthielt eine tragische und eine gute Nachricht.

Der ITS teilte ihr mit, dass ihre seit Jahrzehnten tot geglaubte leibliche Mutter erst 2011 verstorben ist. Gleichzeitig erfuhr Barbara Kniest von der Existenz von drei Halbgeschwistern. Im Mai dieses Jahres reiste sie mit ihrem Ehemann Hans-Karl in ihre alte Heimat, um ihre Schwester Aurelia Kiljanska und ihre Brüder Marek und Jan Fabis kennen zu lernen. Jetzt besuchte die Schwester sie erstmals in Obersuhl.

Barbara Kniest wurde im Februar 1948 in Niederschlesien geboren, in Waldenburg, heute Walbrzych. Von ihrer Adoption erfuhr sie erst im Schulalter, durch andere Kinder. „Meine Adoptivmutter hat mir auf meine Fragen damals erklärt, dass meine leibliche Mutter an Tuberkulose gestorben sei.“ Die kleine Barbara gab sich mit dieser Antwort zufrieden, die sich erst jetzt als Lüge herausstellte: Barbara wurde Opfer einer Zwangsadoption. An ihre Zeit in der Adoptivfamilie denkt sie mit sehr gemischten Gefühlen zurück. „Darüber möchte ich lieber nicht reden“, sagte sie.

Nach dem Tod der Adoptivmutter in 2002 fanden die Kniests beim Ausräumen der Wohnung Barbaras Geburtsurkunde, darauf den Namen der leiblichen Mutter Felicja Zboralska, geboren 1924 in Lodz. „Danach hatte ich keine Ruhe mehr“, berichtete Barbara Kniest. Sie wollte mehr über ihre Wurzeln, das Leben ihrer Mutter und die Umstände der Adoption wissen.

Internationaler Suchdienst

Es gingen noch einmal zehn Jahre ins Land, bis die Kniests Zeit für die Spurensuche fanden. Während der Fußballeuropameisterschaft 2012 besuchten sie Freunde in Breslau. Anschließend klapperte das Ehepaar alle Pfarrämter im Raum Waldenburg ab. Sie hatten allerdings keinen Erfolg, auch nicht in dem Kinderheim, in dem Barbara vor der Adoption lebte. „Wir haben schließlich den Tipp bekommen, uns an das Zentralarchiv in Warschau zu wenden“, erläuterte Hans-Karl Kniest. Privatpersonen können dort keine Unterlagen einsehen. Deshalb wandte sich das Ehepaar an den Internationalen Suchdienst.

Baby wurde weggenommen

Die Kniests haben inzwischen herausgefunden, dass Felicja als Gegnerin des kommunistischen Regimes in Polen 1948 inhaftiert und ihr das Baby weggenommen worden war. Ob Barbara während der Haft oder früher zur Welt kam, konnte noch nicht geklärt werden. Bis 1953 saß Felicja in einem politischen Gefängnis, bevor sie bei der Generalamnestie nach Stalins Tod frei kam. Später heiratete sie. Ihre drei anderen Kinder wurden zwischen 1956 und 1959 geboren.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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