Obersuhlerin reist mit Zug vom Nordkap bis Südafrika

Aufwändige Schnitzereien zieren diese Eingangstore in Barsana: Das Dorf ist für seine Holzarchitektur bekannt.   Fotos: Kröger

Obersuhl. Tatjana Kröger (51) startete im Juni zu einer abenteuerlichen Reise vom Nordkap in Norwegen bis zur Südspitze Afrikas, die sie soweit möglich mit der Eisenbahn zurücklegen will. Uns erreichte jetzt ein Bericht von ihren Eindrücken aus Rumänien und Bulgarien.

Die Bahnlinie endet in Baia Mare, aber mit Minibussen und bezahltem Autostopp kommt man prima voran. Ich bin in der Region Maramuresch, zwei abgelegenen Tälern in Nordrumänien an der ukrainischen Grenze, und Vieles erinnert an bei unserem Geschichtsverein archivierte Fotos von vor 100 Jahren.

Vor jedem Haus stehen ein Maisspeicher und ein überdachter Brunnen. In einem Vorgarten sitzt eine alte Frau mit einer Handspindel; ein Bauer schleift seine Sense. Es ist Heuernte: Das Gras wird in mühsamer Handarbeit mit langen Rechen auf grobgezimmerte Gestelle aus dünnen Baumstämmchen geschichtet. Die vielen Fuhrwerke mit zwei Pferdestärken, die immer plötzlich hinter einer Kurve auftauchen, stellen durchaus eine Gefahr für den motorisierten Verkehr dar.

Zum Einkauf in Tracht

Beim Einkauf in der Stadt oder beim Gottesdienst - die Rumänen gehören der orthodoxen Kirche an - tragen die Frauen und Mädchen ihre traditionelle Tracht: Zu knielangem Faltenrock, weißer Spitzenbluse und Kopftuch gehören gehäkelte weiße Strümpfe und selbstgenähte flache Lederschuhe.

Das Dorf Barsana ist bekannt für seine Holzarchitektur, vor allem die riesigen überdachten Hoftore mit aufwändiger Schnitzerei. Ich habe bei Monica Quartier genommen, Besitzerin des einzigen Mini-Supermarktes am Ort.

Ihre Mutter ist den ganzen Tag mit Kochen und Einmachen beschäftigt; wann immer ich hereinkomme, werde ich an den Esstisch genötigt. Es gibt eingelegtes und gebratenes Gemüse, Ghivece (Auberginenauflauf) und Mamaliga (Maisbrei) mit Schafskäse. Der selbstgebrannte Tuica (Zwetschgenschnaps) ist meiner Meinung nach waffenscheinpflichtig.

Die sprichwörtlichen anderen Sitten, die in anderen Ländern herrschen, rufen mitunter auch Verwirrung hervor. Zum Beispiel, als die Schaffnerin auf meine Frage, ob ich im richtigen Bummelzug sitze, ihr „da“ (ja) mit einem lächelnden Kopfschütteln unterstreicht. Dann fällt mir ein, dass das in Bulgarien die übliche Art der Zustimmung ist.

Mit zweimal Umsteigen erreiche ich nach acht Stunden, von denen drei mit Warten auf die Anschlusszüge vergehen, das Bergstädtchen Troyan. Hier befindet sich Bulgariens drittgrößtes Kloster, das 1600 erbaut wurde. Es besteht aus zwei weißgetünchten Gebäudekomplexen und wirkt eher bescheiden, genauso wie die kleine Marienkirche im byzantinischen Stil. Mit Recht berühmt sind jedoch die herrlichen Schnitzarbeiten der drei Meter hohen Altarwand. Wie man aus dem Tisch und den Stühlen auf einer der Veranden schließen kann, müssen hier 26 Mönche leben.

Gerade wird in der Kirche eine Abendandacht abgehalten. Minuten später rauscht der Abt würdevoll an mir vorbei, im langen schwarzen Gewand und der haubenartigen Kopfbedeckung der orthodoxen Priester. Am nächsten Morgen sehe ich ihn ohne Haube noch einmal, in inoffizieller Mission. Vor dem Souvenirladen am Klostereingang genießt er ein belegtes Brötchen und einen „Coffee to go“. (red/ysy)

Quelle: HNA

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