Obersuhler Bürger: Grünes Band ist in Gefahr

+
Zwischen Untersuhl und Obersuhl wird Kies abgebaut: Das Bild zeigt das Grüne Band mit dem Abbau im Hintergrund. Fotografiert wurde es von der Obersuhler Kläranlage aus. Der Kiesabbau soll noch näher an die Obersuhler Wohnhäuser heranrücken. Noch aber hat das Kieswerk keinen offiziellen Antrag auf Erweiterung gestellt. Die bisher vorliegenden Zeichnungen sind noch nicht detailgenau. Die genaue Planung soll bis Ende des Jahres vorgestellt werden. Bei dem Verfahren wird es auch eine Bürgerbeteiligung geben. 

Obersuhl. Kritisch sehen Obersuhler Bürger die intensive Beweidung des Grünen Bandes und die Pläne zur Erweiterung des Kiesabbaus.

Wildecker Bürger machen sich Sorgen um den Erhalt des Grünen Bandes bei Obersuhl. Dieses besondere Naturschutzprojekt verläuft auf dem 1400 Kilometer langen Geländestreifen der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Das Band sehen die Bürger im Bereich Obersuhl durch die intensive Beweidung und die Pläne, den Kiesabbau zu erweitern, in Gefahr.

„Solche bedeutsamen Biotopverbünde müssen geschützt werden. Auch nach uns sollen ja noch Menschen auf diesem Planeten leben können“, bringt Sabine Keßler die Kritik der Obersuhler Anlieger unter anderem aus dem Sandweg auf den Punkt.

Das Schutzgebiet zwischen Obersuhl und Untersuhl erstreckt sich auf einer Fläche von 3,5 Hektar. Es ist im Besitz der Stiftung Naturschutz des Landes Thüringen.

Bereits im April 2014 hatten sich 30 Anwohner mit einer Petition an die thüringische Landesregierung gewandt. Sie wollten wissen, welche Maßnahmen auf dieser für den Naturschutz wichtigen Fläche erlaubt sind.

In eine feste Kategorie ist die Fläche bei Obersuhl noch nicht eingeordnet. Aber auch für Obersuhl gilt der Leitfaden, den das Bundesamt für Naturschutz und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für das Grüne Band erstellt haben. Ziel ist, eine möglichst große Artenvielfalt zu erhalten.

Der Leitfaden sieht zur Landschaftspflege eine schonende Beweidung mit ganz wenig Tieren auf einer großen Fläche vor. Bei Obersuhl wurden auf der Fläche seit 2012 zeitweise 15 Rinder gehalten, obwohl der Leitfaden höchstens zwei oder drei auf einer solchen Fläche zulässt, berichtet Sabine Keßler. „Weil sich der Pächter nicht an die Auflagen des Landes hielt, wurde ihm vor kurzem der Pachtvertrag gekündigt.“

Der Unterstand für die Rinder, die im Bereich des Grünen Bandes weideten, steht noch. Der Pachtvertrag wurde gekündigt.

Auf Magerwiesen verursacht intensive Beweidung große Schäden auf den Böden durch die hohe Trittintensität. Noch größere Schäden werden verursacht, wenn dort zusätzlich Futter von fremden Wiesen gefüttert wird, weil so der Nährstoffgehalt erhöht und damit der Magerwiese der Lebensraum entzogen wird.

Der Leitfaden legt auch fest, dass im Grünen Band und dessen Randbereichen kein Bodenabbau stattfinden soll. Auch die Stiftung Naturschutz Thüringen hat zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass der Leitfaden umgesetzt wird. Dies bestätigte das Bundesamt für Naturschutz.

In Randgebieten des Grünen Bandes wird bei Obersuhl aber jetzt schon Kies abgebaut. Und das Kieswerk plant, den Abbau noch in Richtung Obersuhl zu erweitern - nach den bisher vorliegenden Plänen auch auf das Gebiet des Grünen Bandes.

„Wir gehen davon aus, dass der Schutz des Grünen Bandes bei der Umweltverträglichkeitsprüfung zu der geplanten Erweiterung ein zentrales Thema sein wird“, sagt Sabine Keßler. „Es bleibt zu hoffen, dass das vom Land Thüringen vorgeschlagene Projekt, dem Grünen Band den Status des Nationalen Naturmonumentes zukommen zu lassen, rasch umgesetzt wird. Denn Umwelt- und Naturschutz bedeutet auch Menschenschutz.“

Das Kieswerk hat noch keinen offiziellen Antrag auf Erweiterung gestellt. Die detailgenauen Pläne sollen bis Ende des Jahres vorliegen.

Mehr zum Grünen Band, das sich quer durch Europa zieht, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare