Kulturzug: Kabarettist Bernd Gieseking lieferte heiter-bissigen Jahresrückblick

Auf nichts mehr ist Verlass

Zeit für Gelächter: Kabarettist Bernd Gieseking amüsierte das Publikum in Bebra. Foto: A.Koch

Bebra. Eine lieb gewonnene Tradition des Kulturzuges Bebra ist es, dem Kabarettisten und Autoren Bernd Gieseking eine Bühne für seinen satirischen Jahresrückblick zu geben. Diese hat der „Ü-50er“ auch diesmal genutzt, um so richtig vom Leder zu ziehen. Das Motto seines Jahresrückblicks lautete: „Rasender Stillstand“.

„Selten zuvor gab es so eine Hektik wie 2012, trotzdem ging nichts voran“, sagt er. Da die Welt nun doch nicht am 21. Dezember untergegangen sei, mache er so weiter wie bisher. Lange genug habe er sich auf den prognostizierten Weltuntergang verlassen. Aber man könne sich eben auf gar nichts verlassen: Nicht auf den Flughafen-Bau in Berlin, nicht auf die Korrektheit prominenter Doktorarbeiten und auch nicht auf die Verlässlichkeit langjähriger Beziehungen.

„Wowereit hat sich vom Flughafen getrennt, Bettina von Christian Wulff, Sylvie van der Vaart von ihrem Rafael, Mehdorn von ‚Air Berlin’ und Annette Schavan von ihrer Reputation.“ Dabei sei 2012 doch eigentlich auch das Jahr der Liebe gewesen. „Aber da wo Liebe ist, ist Hass nicht weit entfernt.“ Kanzlerin Merkel sei aus Liebe zu Europa mit Milliarden in der Tasche nach Griechenland geflogen. Dort angekommen, sei sie als „Nazi“ verunglimpft worden. Überschwängliche Liebe bringe ihr auch die eigene Partei entgegen. Rückblick auf den CDU-Parteitag in Hannover: Angela Merkel wird mit 98 Prozent der Stimmen als Parteivorsitzende wiedergewählt. „Nichts Besonderes für Angela“, so Gieseking. „Solche Abstimmungsergebnisse kennt sie noch aus der DDR.“

Nicht spießig

Generell sei Deutschland ein relativ tolerantes Land mit einer relativ geringen „Arschloch-Quote“, bilanziert Kabarettist Gieseking. „Eine Pastorentochter aus der DDR ist Kanzlerin, der Bundesfinanzminister sitzt im Rollstuhl, der Außenminister ist schwul, die Familienministerin ist fast minderjährig, zahlreiche hochrangige Politiker sind in dritter und vierter Ehe verheiratet.“ Da solle mal einer sagen, Deutschland sei spießig.

Außer dem „großen Welt- und Politgeschehen“ sprach Gieseking auch über sich selbst. Über eine Reise nach Finnland zu seinem Bruder, die er mit seinen alten Eltern antritt, erzählt er liebenswert und lustig. Darüber hat er auch ein Buch geschrieben: „Finne dich selbst!“ Sein nächstes Werk erscheint im März: „Das große Buch der Wünsche“.

Von Alexandra Koch

Quelle: HNA

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