Ehemalige Bundesfamilienminsterin Renate Schmidt (SPD) sprach mit JGS-Schülern

Nicht immer hoppla-hopp

Stand den Schülern auch ohne Mikrofon Rede und Antwort: die ehemalige Bundesfamilienminsterin von der SPD, Renate Schmidt, bei ihrem Besuch in der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule. Foto: Achim Meyer

Rotenburg. „Bin ich gut zu verstehen?“ fragt Renate Schmidt. „Dann brauch’ ich dieses ganze Zeug nicht“, sagt sie und schiebt Mikrofon und Kabel zur Seite. Die ehemalige Bundesfamilienminsterin von der SPD ist gut zu verstehen. Sie spricht mit tiefer Stimme laut und deutlich und hat so, ohne den Umweg über Lautsprecher, schnell einen direkten Kontakt zu ihren Zuhörern hergestellt – etwa hundert Schülern des Jahrgangs zwölf der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule. Renate Schmidt ist dort auf Einladung des ehemaligen Lehrers Kurt Meyer zu Gast.

„Man muss auch sagen dürfen: Darüber muss ich nachdenken.“

Renate Schmidt

Dessen Fragen richten sich auf das, was hinter der Kulisse von Talkshows und öffentlichen Auftritten geschieht. Schmidt antwortet ehrlich und unumwunden. „Ich kann das nicht, ich schaff’ das nicht“, waren Renate Schmidts erste Gedanken, als sie von der Bayern-SPD 1980 zur Kandidatur für den Bundestag aufgefordert wurde. Undenkbar schien ihr die Vorstellung, in Anwesenheit von Helmut Schmidt und Willy Brandt eine Rede zu halten. Als sie dann gewählt war, meldete sie sich gleich für eine Rede. „Ich kann Ihnen – kann Euch nicht sagen, wie es mir gegangen ist. Ich hatte drei Wochen Bauchschmerzen.“ Aber sie hatte sich gleich gestellt – „um die unglaubliche Angst zu überwinden.“

Schmidt traut sich auch, davon zu erzählen, wie schwer eine berühmte Frau einen Mann findet: „Die trauen sich nicht!“ – und gibt den Schülerinnen einen Tipp, wie sie in ihrer Ehe einmal etwas für die Gleichstellung der Geschlechter tun können. Wenn er das erste Mal die Fenster putzt und dabei Streifen zurückbleiben, dann dürfe sie ihn nicht entmutigen, sondern: „Loben, loben, loben!“

Die Fragen der Schüler richten sich auf Schmidts Eintreten für mehr direkte demokratische Beteiligung. „Warum nutzen wir nicht den versammelten Sachverstand der Bevölkerung?“, fragt sie. „Beim Atomausstieg hätten die Bürger sehr viel besser entschieden als die Politiker.“

Wo es hakt

Auf den Einwand eines Schülers, ob direkte Demokratie nicht die Entscheidungen verzögere, antwortet sie: „Politik hakt eher daran, dass alles hoppla-hopp gehen muss. Man muss auch sagen dürfen: Darüber muss ich nachdenken.“

Eine Schülerin wünscht sich eine Einschätzung Schmidts über die junge Generation. Anfang der 80er-Jahre, sagt Schmidt, da sei sie an der Jugend verzweifelt. Da dachte sie: „Die interessieren sich für gar nichts mehr.“ Die jetzige Generation engagiere sich ungeheuer. „An der heutigen Jugend ist nichts auszusetzen.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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