Imshäuser Gespräch zum Umgang mit Flüchtlingen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Nicht gegeneinander ausspielen

Imshäuser Gespräch zu Flüchtlingen im Landkreis: Antonia Rösner, Gundula Pohl, Klaus Stöcker und Melanie Hetzer (von links) standen dem Publikum Rede und Antwort. Foto: nh

Imshausen. Flüchtlinge als Medienthema sind momentan überall gegenwärtig. Beim Imshäuser Gespräch standen Praktiker aus der regionalen Flüchtlingsarbeit dem engagiert diskutierenden Publikum im voll besetzten Visser ‘t Hooft-Haus bereitwillig Rede und Antwort.

Antonia Rösner vom Fachdienst Migration des Landkreises schilderte die besonderen Anforderungen, die die gegenwärtige Situation an die Behördenmitarbeiter stellt. Die kurzfristige Unterbringung vieler Flüchtlinge innerhalb kürzester Zeit sei eine große logistische Herausforderung, der sich die Mitarbeitenden des Fachdienstes Migration mit großem Engagement stellten. Rösner berichtete auch, dass der Landkreis in einiger Hinsicht anders mit Flüchtlingen verfahre, als dies an vielen anderen Orten üblich sei. Es werde versucht, Flüchtlinge möglichst dezentral statt in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen.

Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker stellte ein besonderes Projekt vor, das die Kreishandwerkerschaft seit 2013 gemeinsam mit dem Landkreis betreibt, um Flüchtlingen eine Perspektive im Bauhandwerk zu eröffnen. Damit, so Stöcker, könne man gleich zwei drängende Probleme angehen: Den Flüchtlingen, die seiner Erfahrung nach begierig auf Arbeitsmöglichkeiten seien, würden Ausbildungsmöglichkeiten angeboten, und sie würden darauf gezielt vorbereitet. Die Handwerksbetriebe, denen vielfach Auszubildende fehlten, könnten wiederum auf diesem Wege Nachwuchs gewinnen.

System funktioniert nicht

Gundula Pohl, die seit mehr als 20 Jahren in der Flüchtlingsberatung des Zweckverbandes für Diakonie tätig ist, konstatierte, dass das Asyl-System derzeit insgesamt nicht mehr funktioniere. Das Bundesamt für Migration zeige sich momentan völlig überfordert und nicht vorbereitet, was sich vor allem darin zeige, dass einige Flüchtlinge seit mehr als zwei Jahren auf einen ersten Anhörungstermin im Asylverfahren warten müssten.

Pohl wies auch darauf hin, dass es nicht sinnvoll sei, Flüchtlingsgruppen gegeneinander auszuspielen. Auch viele der Menschen aus den Westbalkan-Ländern, denen allgemein rein wirtschaftliche Fluchtgründe unterstellt würden, würden als Angehörige der Roma-Minderheit in ihren Heimatregionen faktisch unter sehr schwierigen Lebensbedingungen leiden und könnten nicht auf den Schutz ihrer Heimatstaaten zählen.

Über sehr konkrete Erfahrungen berichtete auch die Kirchheimer Pfarrerin Melanie Hetzer. Hier sind derzeit rund 400 Flüchtlinge in einer Außenstelle der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Deren Situation und auch das Zusammenleben mit den Kirchheimern sei schwierig. Es gebe kaum Kontakte zu den dort untergebrachten Menschen. Dies sei bei den 100 Flüchtlingen anders gewesen, die bis vor Kurzem in einer Unterkunft des Landkreises untergebracht gewesen seien. Hier habe es – auch durch das vom Kirchenkreis unterstützte „Café Grenzenlos“ – vielfache Kontakte ins Dorf gegeben. (red/rey)

Quelle: HNA

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