Martin Guth amüsierte das Silvester-Publikum mit dem Schicksal eines Verlassenen

Neuer Mann, was nun?

Hartes Schicksal: Kabarettist Martin Guth die zweite Hälfte des Duos FaberhaftGuth, präsentierte sein Solo-Programm in Bebra. Foto: Schäfer-Marg

Bebra. Jetzt hat er sich so angestrengt: Besuchte mit seiner Frau Heike, einer Lehrerin, einen Yoga-Kurs, kümmert sich um die drei Kinder, lässt sogar zu, dass ein Brigitte-Abo auf seinen Namen läuft - und dann das: Heike verlässt ihn wegen eines Kraftprotzes, der T-Shirts mit dümmlichen Sprüchen trägt. Kabarettist Martin Guth ließ das Publikum im Alten Rathaus in Bebra am Silvesterabend an seinem Schicksal als „neuer Mann“ teilhaben.

„Neuer Mann“, das ist ein Synonym für Weichei. Das ist der, dem zehn von elf Frauen ihre Kinder anvertrauen würden, aber keine ginge mit ihm ins Bett. Das ist einer, der sich bemüht hat zu verstehen, was Frauen wirklich wollen - allerdings mit mäßigem Erfolg. Noch dazu, weil er selbst dabei auf der Strecke geblieben ist. Martin Guths Programm heißt denn auch „Meine Frau, ihr Mann und ich“. Ich - das ist die Persönlichkeit neben dem treusorgenden Ehemann und Vater.

Stark ist Martin Guth immer dann, wenn er beim Erzählen kleiner Anekdoten Wortspielereien einsetzt. Etwa wenn sein erstes Date mit einer neuen Frau nach der Trennung zur Erkenntnis führt „Ich muss mit der Zeit mal gehen“, als sie bemerkt hat: „Du musst mal mehr mit der Zeit gehen.“ Oder wenn er in seinem Abgesang auf Heike feststellt, „die Figur war nie ein Problem, man kann auch mit Anstand auseinandergehen.“

Zwischendurch erzählt er von Extrem-Veganern (Die essen kein Gemüse, für dessen Namensgebung Tiere leiden mussten, zum Beispiel Walnuss oder Bärlauch), vom Leiden beim katholischen Kindergottesdienst in ungeheizten Gemeindesälen, und vom Kaffeetrinken bei den Eltern. Bei denen ist er nach der Trennung von Heike übrigens wieder eingezogen - so viel zur männlichen Persönlichkeit.

Das Publikum bezieht Martin Guth gern ein, und die Betroffenen spielen gerne mit. Sie lassen sich zu einem Ausflug nach Mittelhessen überreden, der Butzbacher Guth stellt den etwas wortkargen Menschenschlag aus seiner Heimat gern vor. Man lernt „drei Lischer“ zu bestellen, wenn man Bier will und „Kerle, Kerle, Kerle“ zu sagen, wenn etwas interessant klingt.

Nicht nur Heiteres gibt er von sich, aber das Publikum applaudiert auch kräftig zu seinen Liedern, die von Demenz und von der Liebe zu den eigenen Kindern handeln.

Silvester darf man auch mal ernst sein.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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